Buch-Cover, Dante Alighieri: Die Göttliche Komödie - Inferno

Die Göttliche Komödie - Inferno

Originaltitel: La Divina Commedia (Inferno) [IT]
Übersetzer: Hermann Gmelin
Genre: Phantastische Klassiker
Verlag: Reclam
Seiten: 566
Erschienen: 1951 (Original: 1321)
ISBN: 3-15-000796-8
Preis: 9,60 Euro (Hardcover)
Schlagworte: ChristentumHölle
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"Grad in der Mitte unsrer Lebensreise

Befand ich mich in einem dunklen Walde

Weil ich den rechten Weg verloren hatte[...]"

Je nach Übersetzung differieren jene Worte - mal gereimt, mal in Prosa mit erhaltenem Metrum, mal gänzlich ohne. Ebenso findet sich an vielerlei anderen Stellen unterschiedliche Übersetzung, als Beispiel sei hier nur das Höllentor genannt ("Per me si va nella citta dolente[...]")

Zweifellos ist klar, dass die Göttliche Komödie ein Klassiker ist, der kaum an Wert verlieren wird. Und er hat phantastische Elemente in Form von Teufeln, Drachen, der Ausmalung der Hölle selbst, inklusive diverser Strafen.

Dante schildert in seiner Komödie eine Reise durch die drei großen Gebiete des Jenseits: Das Inferno, die Hölle; das Purgatorium, den Läuterungsberg; das Paradies, der Himmel. Zwar sind die Berichte tief im christlichen Glauben verankert - und in dieser Hinsicht betone ich erneut, keinerlei Kritik an irgend einer Religion oder Religionsauslegung äußern zu wollen - aber es gibt vielerlei phantastische Elemente.

Zu Beginn seiner Reise Reise am Karfreitag des Jahres 1300 erhält Dante Unterstützung durch Virgil, der sich ihm als Führer durch Hölle und Läuterungsberg anbietet - den Himmel darf er nicht betreten und verweist auf Beatrice. An dieser Stelle soll aber nur das Inferno näher betrachtet werden.

Dantes Inferno ist in neun konzentrischen Kreisen aufgebaut, welche immer tiefer führen, bis sie bei Lucifer im Eissee Cocytus enden, wo mit ihm alle Verräter Terras gefangen sind. Dante schreitet mit seinem Führer Virgil diese Kreise langsam hinab, von Limbus, dem Land der tugendhaften Heiden nach Nocturna, dem Reich der fleischlichen Gelüste und weiter durch die restlichen Kreise.

In jedem dieser Kreise büßen Seelen für andere Verfehlungen - im Falle des Limbus' ist die einzige Verfehlung, zur falschen Zeit geboren worden zu sein und Gott nicht erhört zu haben (können). Dies war insbesondere problematisch, da Dante sich wie so viele als Nachfahre der "edlen Römer" sah. Diese konnten also schlecht auf alle Ewigkeit Torturen ausgesetzt werden.

Je tiefer Dante schreitet, desto grausiger werden die Qualen, stetig in der eigenen Sünde reflektiert, wobei erstaunlicher Einfallsreichtum bewiesen wird, den ich hier nicht nehme. Manch ein Oberschurke heutiger Bücher und Filme könnte sich hier einiges abgucken.

Sind die ersten Kreise noch jenen Verfehlungen der Unmäßigkeit (wie etwa Schlemmsucht) "gewidmet", so finden sich in tieferen Kreisen Sünden purer Bosheit, wie etwa Verrat als ultimative Sünde. Dort in der Tiefe, am Punkt, der am weitesten entfernt ist vom Göttlichen Licht, finden sich die 3 Erzverräter, die ständig in den Mäulern Lucifers zermahlen werden: Cassius, Judas und Brutus.

Anhand dieser drei lässt sich auch eine weitere Besonderheit der Komödie aufzeigen (die im Übrigen keinesfalls mit einem "lustigen Schauspiel" gleichzusetzen ist, wie man längst realisiert haben wird): Dante trifft auf seiner Reise verschiedensten Seelen. Da Dante "Nachfahre der Römer" ist, stammen sie allzu oft aus jener Tradition, wie allein schon an seinem Führer deutlich wird. Ebenso trifft Dante auf viele Philosophen und Staatsmänner (die meisten davon in Limbus).

Aber auch Zeitgenossen Dantes oder jene, die kurz zuvor verstarben, begegnen ihm und geben ihm Auskunft über ihre Sünden, und weshalb sie leiden, künden manchmal auch von der Zukunft, die sich für ihre Heimat anbahnt. Aber auch mythologische Gestalten wie Odysseus finden sich hier und verweisen erneut auf phantastische und mythische Dimensionen.

Die Kommentierung zeitgenössischer Persönlichkeiten rückt die Komödie in eine Distanz, welche heute nur schwer zu überbrücken ist, beschäftigt man sich nicht gerade mit der (italienischen) Geschichte jener Zeit. Hier hilft das umfangreiche Anmerkungsverzeichnis, das zugleich Informationen über die Entstehung und das Umfeld der Komödie bereithält. Ebenso wird die Symbolik umfangreich erläutert - und wer kommt schon allen ernstes von selbst auf die Idee, den mittlersten Vers der Komödie zu bestimmen? (Berufliche Literaten seien hier ganz bewusst ignoriert.) Das macht hier tatsächlich Sinn, kann man doch einen deutlichen Inhaltswechsel erkennen.

Einige der Sünden sind heute in den Augen der meisten überholt - Homosexuelle sind bei Dante eindeutig als Sünder klassifiziert und büßen im entsprechenden Kreis. Auch hier findet sich erneut die damals vorherrschende Einstellung reflektiert und betreffende Personengruppen sollten sich nicht angegriffen fühlen. Wenn doch, möge man einen mehr als 7 Jahrhunderte toten Poeten beschimpfen.

Die Göttliche Komödie ist zugleich Einlösung eines Versprechens, das Dante in seinem "Vita Nuova" (Das Neue Leben) gab, "zu einem späteren Zeitpunkt" ein Werk zu Ehren der Beatrice zu verfassen (siehe Paradiso).

Das Inferno entstand etwa zwischen den Jahren 1304 und 1307, die anderen Teile folgten 1308/1309 bis 1312/1313 und 1316 bis 1320 nach.

Man mag die Göttliche Komödie vielleicht nicht der Phantastik zuordnen, jedoch besitzt sie in jedem Fall phantastische Elemente, insbesondere im Bereich des Infernos (, welcher einem mir bekannten Mediävisten zufolge "so wie so der interessanteste" ist - und ich kann diese Aussage gewissermaßen bestätigen, hänge ich doch seit Langem im Purgatorio). Für historisch oder religiös interessierte Freunde der Phantastik sollte zumindest ein Blick auf dem Programm stehen, zumal sie in jeder Bibliothek verfügbar sein dürfte.

Gelesen wurde die einsprachige, deutsche Ausgabe des Reclam-Verlages in der Übersetzung von Hermann Gmelin mit Anmerkungen von Rudolf Baehr und einem Nachwort von Manfred Hardt. Diese Ausgabe beinhaltet alle drei Teile der Göttlichen Komödie und ist relativ unhandlich, weswegen eine Ausgabe eines anderen Verlages u.U. zu empfehlen ist. Ein Heft in der Reclam-typischen Größe mit 568 Seiten ist einfach nicht mehr handlich wie ein hundertseitiges. Wie bei so vielen alten Werken gibt es hier natürlich verschiedenste Ausgaben anderer Verlage, auf die man achten sollte.

Bewusst machen sollte man sich, dass gereimte Versionen zwangsläufig die originale Bedeutung verändern, um jene Reime erreichen zu können. Die mir vorliegende Ausgabe legte statt dessen Wert auf wort- und satzgetreue Wiedergabe. Hier mag jeder selbst entscheiden, was er dem Vorzug gibt. Die gelesene Ausgabe ist eine Sammelausgabe und enthält alle drei Teile, Inferno, Purgatorio und Paradiso. Die Seitenanzahl bezieht sich auf dieses Werk, das Inferno selbst besteht aus 34 Gesängen mit 4720 Versen.

Die Göttliche Komödie ist Gegenstand vieler Studien gewesen, die hier nicht gänzlich reflektiert werden können. Ich verweise an dieser Stelle auf eine Suche via Google.

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Versionen der Göttlichen Komödie (als Ganzes oder Teile) finden sich auch in den Projekten Gutenberg:

http://gutenberg.spiegel.de/dante/komoedie/komoedie.htm (Inferno, leider unvollständig und ohne Angabe des Übersetzers)

http://www.gutenberg.org/ebooks/8789 (Englisch, Inferno, Illustriert - via Suche nach Autor "Dante" auch vsch. andere Versionen mit und ohne Illustration)

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


Zitat(e) aus dem Buch

  • Vexilla regis prodeunt inferni (Die Flaggen des Höllenkönigs schreiten voran)

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