Buch-Cover, Howard Phillips Lovecraft: Der Ruf des Dämon. Wälder der Finsternis

Der Ruf des Dämon. Wälder der Finsternis

Serie: Der Ruf des Dämon (#2)
Sprecher/Regie: Simon Jäger (et al.)
Genre: Fantasy Horror
Verlag: Eichborn
Spieldauer (Min): 151
Erschienen: 09/2006 (Original: 2006)
ISBN: 3-8218-5435-9
Preis: 19,95 Euro (CD)
Schlagworte: Cthulhu-Mythos
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Der Zweite "Ruf des Dämon" folgt dem aus dem ersten bekannten Aufbau: Zwei Kurzgeschichten, unterbrochen von 3 auf Englisch gelesenen Gedichten, allesamt untermalt vom schaurig-schönen Orchester der Schatten. Diesmal dabei sind:

"Das Bild im Haus", in dem der Erzähler auf ein eben solches stößt, in einem abgelegenen Haus. Die ehemals Puritanischen Bewohner haben sich über die Jahre hinweg seltsamen Anschauungen und Ideen zugewandt.

"Die Farbe aus dem All" hingegen berichtet von einem seltsamen Flecken Erde, der "Verfluchte Heide" genannt wird. Vor einiger Zeit schlug dort ein Meteor auf, der auch von Wissenschaftlern untersucht wurde, die eine seltsame Farbe fanden. Tod, Seuche, Verderben und Wahnsinn stellten sich alsbald ein - aber das ist doch nur der Aberglaube einer ländlichen Bevölkerung, oder nicht?

Im Bereich der Lyrik sind dabei "Astrophobus", "The Messenger" und "The House".

Die Kurzfassung der Kritik: Wer die erste Ausgabe mochte, wird diese zweite lieben.

Das beiliegende Booklet schreibt, das Orchester hat zwei Instrumente Zuwachs bekommen. Ich gebe zu: das hätte ich nicht bemerkt - nicht, weil ich halb taub bin oder weil es keinen Unterschied macht, sondern weil ich den ersten Teil nicht mehr in unmittelbarer Erinnerung habe und Vergleiche dieser Art nicht durchführe. Zudem macht es sich bemerkbar: die Musik wirkte noch schauriger, noch düsterer und passender als beim ersten Teil. Bravo erneut für diese grandiose Inszenierung!

Auch an den Sprechern ist kaum Raum für Kritik. Die Stimmenbandbreite reicht vom "normalen" Erzähler hin zum Verschlagenen Finstermann, der vor mir ein wenig das Gesicht eines verschlagenen Großwesirs im Stile eines älteren Isnogud entstehen ließ. Auch hier eine absolut stimmige Lesung, sei es bei de intensiven Gedichten oder den längeren Geschichten.

Bleibt ein dritter Punkt, die Geschichten selbst. Die Spannung baut sich unterschiedlich auf, die Stimmung ist in beiden Fällen sehr düster. In der ersten, deutlich kürzeren Geschichte (etwa 1/4 der Spielzeit) sucht der Erzähler Schutz in einem Haus und entdeckt dort mancherlei Kostbarkeiten - und dass es noch bewohnt ist. Das Grauen nimmt langsam immer mehr zu und rückt in unmittelbarere Nähe. Allerdings ist das Thema hier schon ein wenig abgenutzt (mindestens im Rückblick) und für mich zu schnell zu klar und relativ geradlinig. Es ist ein frühes Werk Lovecrafts (1920). Auch die Gedichte konnten mich diesmal nicht so sehr für sich einnehmen wie im ersten Teil.

Die "Farbe aus dem All" (1927) hingegen wird als Wiedergabe eines Berichts erzählt und ist ein echter Knüller - zu recht gehört sie zu den am meisten gedruckten Veröffentlichungen Lovecrafts. Nach Hören des Berichts ist der Erzähler zu dem Entschluss gekommen, besser nichts mit der Gegend zu tun zu haben. Dem Hörer erklärt er nun, wieso und weshalb und was genau sich zugetragen hat; wie Menschen sich langsam zurückzogen und die Wissenschaft alles als Einbildung abtat. Wie sich durch den Titel bereits abzeichnet geht diese Kurzgeschichte Richtung Science-Fiction Horror. Dabei arbeitet Lovecraft den oft gängigen Vermenschlichungen von Außerirdischen entgegen - Gemeinsamkeiten mit dem

Das Thema dieses Hörbuchs ist "Wälder der Finsternis", und in solchen finden beide Geschichten statt: in abgelegenen Waldgebieten Neuenglands, welche die Bewohner meiden; entfernt von dem, was man "Zivilisation" nennt. Der Horror ist typischerweise sehr psychologischer Natur, kaum körperlich. Dies ist meiner Meinung nach die extremere Variante von Schrecken, denn immerhin kann man ihn nicht fassen. Sowohl Auswahl als auch Umsetzung unter dem Leitthema sind gelungen.

Was könnte man kritisieren? Dass es kein "Hörbuch" im eigentlichen Sinne einer vorgelesenen Geschichte ist, dass bei der Umsetzung geschummelt wird und Musik die eigentliche Lesung verdirbt, ihr weiteren Einfluss hinzufügt. Über solch eine Kritik darf man aber durchaus die Stirn runzeln und den Zeigefinger in langsamen, wiederholenden Bewegungen gegen die seitliche Stirn führen. Freunde psychisch-lovercraftschen Horrors ohne menschlich-motivierte Beweggründe kommen auf ihre Kosten: das Konzept von Kurzgeschichten mit musikalischer Untermalung geht auf - und im Vergleich zum ersten Teil bekommt man hier mehr als 1,5 Mal so langen Genuss. Zugreifen - lediglich auf die Großen Alten selbst muss man hier verzichten.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

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