Wertungsschema

Punktwertungen können niemals die Begründung in einer geschriebenen Rezension ersetzen. Damit ist eigentlich alles gesagt. Oder auch nicht, denn Grimoires.de verwendet ganz offensichtlich trotzdem ein System mit Punktwertungen. Warum, mag man sofort fragen? Ganz einfach: Auch wenn eine Punktzahl ohne Text sinnlos ist, gibt sie doch einen guten generellen Eindruck. War der Rezensent begeistert und gab 10 oder 9 Punkte? War der Roman solide (bis 7 Punkte) bis Mittelmaß (~6)? Gab es Vorbehalte, eine allzu spezifische Ausrichtung auf eine Gruppe, zu der der Schreiber einfach nicht gehörte? Oder war der Roman einfach Müll? Weiter hilft dann in jedem Fall der Text - und Lesen sollte jemandem nicht fremd sein, der nach einem Buch sucht.

Dennoch: Punktwertungen sind pauschal, wie ich auch in Der Sinn von Punktwertungen erkläre. An einem Punkt mehr oder weniger sollte man sich nicht aufhängen, stattdessen lieber schauen, ob der Rezensent gute Gründe nennt. Auch darf man keine "Aufsummierung" erwarten oder gar ein einheitliches mathematisches Punktesystem - manchmal ruiniert eine Kleinigkeit weit mehr als ihr Platz im Roman nahelegt. (Man denke an den "beliebten" letzten Satz "Und sie wachte auf und alles war nur ein Traum".)
Auch das äußere eines Buches kann sich auswirken: Viele Tippfehler, falsche Erwartungen durch den Rückentext u.ä. Nicht zu vergessen: der persönliche Geschmack des Rezensenten, der mal mehr und mal weniger durchschlägt. Und auch oft vergessen: Was vorher gelesen wurde und was "real" gerade abläuft beeinflusst die Wirkung eines Buches!
Ich empfehle erneut, auf den Text zu schauen und die Punktzahl nur als grobe Richtlinie zu betrachten.

Und bedenke: Auch Kritik ist zuletzt subjektiv, insbesondere in Zahlen.

Hier dennoch ein grober überblick über die Einschätzung der Punkte und ihre Bedeutung:

11 Punkte
Gibt es nicht. Intern steht "11" für Klassiker oder andere Bücher, denen aus bestimmten Gründen keine Note gegeben werden soll. Wird nicht mehr verwendet, da der Respekt vor "Klassikern" inzwischen verloren ging.

10 Punkte (Ausgezeichnet, Schulnote 1, ~95-100%):
10 Punkte sind eine fast uneingeschränkte Kaufempfehlung. Dieses Buch ist wirklich gut, überzeugt durch eine neue innovative Story, ist Kult oder hat sonstige Vorzüge, die es absolut lesenswert machen. In mancher Hinblick ein "Muss". Das heißt aber nicht, dass dieses Buch perfekt ist. Ein perfektes Buch gibt es nicht. Und manche Menschen werden auch ein Buch mit 10 Punkten aus ganzem Herzen hassen. Größere Makel hat dieses Werk jedoch auf keinen Fall.

9 und 8 Punkte (Sehr gut, Schulnote 2, ~80-94%)
Dies sind noch sehr gute Bücher, denen lediglich etwas fehlt, das sie in den absoluten Top-Bereich katapultiert - zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Die Mehrzahl der Buchveröffentlichungen großer Verlage fällt in diesen oder den nächsten Bereich. (Verlage bringen nicht mit Absicht schlechte Bücher heraus. Zumindest keine seriösen Verlage.)

7 Punkte (Gut, Schulnote 2- bis 3, ~65-80%)
Eine weitere Abstufung und ein sehr großer Bereich und Sprung. Dies ist immer noch ein gutes Buch, aber es hat mehr oder größere Mängel als die vorherigen oder gefiel einfach nicht so gut. Ein Großteil der verlegten Bücher ist in diesem Qualitätsbereich: Gut, "Mainstream", weder zu vermeiden noch unbedingt zu lesen aber ohne größere Vorbehalte unterhaltsam.

6 Punkte (Kann-Lektüre, immer noch Schulnote 3, 55-65%)
Ab diesem Punkt ist eine Einteilung immer schwerer. Bücher mit 6 Punkten sind z.B. Bücher, die sich wirklich ausgelutschter Plots bedienen aber dennoch gut geschrieben sind. Auch andere Mängel können ursächlich sein - oder das Buch ist für eine kleine Zielgruppe geschrieben, zu der dieser Leser nicht gehörte, aber durchaus erkennen kann, dass das Buch seinen Platz hat

5 Punkte (Naja, Schulnote 4, ~45-55%)
Hier ist für mich eine echte Grenze. Bücher mit 5 Punkten kann man m.E. noch lesen - aber bevorzugt nicht mehrere Hintereinander. Man trifft viel Altbekanntes. Mängel in Stil und Ausdruck sowie Druckfehler. Wenn man sich fragt, warum irgendein Verlag ein solches Buch veröffentlichte, dann gehört ein Buch hierhin oder tiefer.

4 Punkte (unterdurchschnittlich, Schulnote 4-; ~40-45%)
Nur für Fans oder solche, die Geschichten genau dieser Art lieben; alle anderen: Finger weg. Klischees werden bedient, der Stil ist banal etc.

3 Punkte(nicht zu empfehlen, Schulnote 5, ~35-40%)
Grundsätzlich rate ich von solchen Büchern, wenn nicht triftiger Anlass besteht, sie zu lesen. Sie haben große Schwächen in Story/Stil, sind das übliche Einerlei und können auch weitere Mängel haben. Es mag natürlich Leute geben, die dieses Buch toll finden, aber das dürfte die deutliche Minderheit sein
Nebenbei bemerkt: Kurzgeschichtensammlungen mögen Geschichten mit hoher und niedriger Punktzahl beinhalten. Die Gesamtwertung ist NICHT der Schnitt. Meist ist sie schlechter, da ich denke, der Lesespaß wird bereits durch eine verrissene Geschichte erheblich gemindert. (Man liest nicht weiter, wenn man es absolut schlecht findet)

2 Punkte (mangelhaft, Schulnote 5, ~20-35%)

1 Punkt (gar grauslig, Schulnote 6, ~11-20%)
Der Gnadenpunkt... erhebliche Mängel nicht nur in der Geschichte sondern auch in Grammatik, Orthographie usw. Rigoroses Abraten vom Kauf. Dies war nichts... wobei so wenig Qualität schon wieder eine Leistung sein kann.

0 Punkte (ein leeres Blatt wäre besser gewesen, ~0-10%)
Ich wünschte, ich hätte dies niemals gelesen und verschwende hier kein weiteres Wort. Bsp: Eine DSA-Kurzgeschichte, die in Aventurien spielt aber jeglichen Aventurien-Standard ignoriert und bricht, darüber hinaus unlogisch ist und nicht einmal interessant ist - ärger pur.

Gibt es nicht zu oft hohe Wertungen? Jein. Der Schnitt ist in der Gegend von 7. Und das ist gut so. Die Stufen sind NICHT gleichmäßig abnehmend. Das geht bei subjektivem Geschmack gar nicht. Versucht doch einmal in einer kleinen Gruppe, auch nur 20 Bücher in eine qualitative Rangfolge zu bringen... Und Verlage werden sicher keine schlechten Bücher herausbringen, nur um den schlechten Bereich der Skala zu repräsentieren.

Es wird immer Leser geben, die Bücher deutlich anders bewerten. Nicht jeder mag den Herrn der Ringe. Mancher findet ein "Trash"-Buch einfach genial. Kommentare sind in der Funktion durchaus erwünscht!

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