Wünsche

Wer eine Sternschnuppe sieht, kann sich etwas wünschen

Eine Gunst oder ein Wunsch ist eine traditionelle Belohnung des Helden. Im Falle eines menschlichen Königs als Erfüller gibt es natürlich gewisse Einschränkungen und durchaus weitere Probleme bei einem (gefühlt) unmäßigen Wunsch. Die Fantasy kennt jedoch andere Wesen, die Wünsche erfüllen und deren Macht dabei grenzenlos scheint. Allen voran sind dies natürlich die Dschinn - aber auch unter diesen gibt es gute und böse und solche die Wünsche mit Absicht verdrehen. Überhaupt ist ein Wunsch eine äußert zwiespältige Sache und mitunter ist ein unbedachter Wunsch nicht der Lohn des Helden, sondern das, was einen Helden überhaupt erst erforderlich macht: Allzu leicht kann man sich ver-wünschen.

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Wünschelzeit

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Wer erfüllt Wünsche?

Im harmlosesten Fall ist der Wunscherfüller ein Wesen, das der Wünschende versteht, klassischerweise ein König, der den Helden für einen Auftrag belohnt. Aber schon hier kann es gänzlich ohne Magie Probleme geben, nämlich dann, wenn der König den Wunsch für unangemessen hält und ihn nicht erfüllen will - allen vorherigen Beteuerungen von "alles, was du dir wünscht" zum Trotz. Bei dieser Variante bildet der Wunsch den Auftakt oder Mittelteil einer Geschichte, die je nach Angemessenheit des Wunsches in ganz andere Richtung verlaufen kann.

Kommen magische Wesen oder Artefakte hinzu, ist es für den Wünschenden potenziell gefährlicher. Denn oft ist unklar, warum das Wesen oder der Gegenstand ihm seinen Wunsch erfüllt. Denkt es in menschlichen Bahnen? Versteht es den Wunsch überhaupt über den exakten Wortlaut hinaus - und will es das? Eine häufige und nachvollziehbare Motivation ist Dankbarkeit: Befreit ein Mensch eine Fee, die allein gefangen war, erfüllt sie ihm oft einen oder drei Wünsche. Es kostet sie in der Regel nichts. Auch Zwang ist eine bekannte Motivation, die besonders bei beschworenen Dämonen auftritt. Ihre erfüllten Wünsche sind fast immer an eine Bedingung gebunden, möglicherweise sogar an einen Teufelspakt, der letztlich die Seele kostet. Auch ein magisches Artefakt kann ein böses Erwachen bereiten, denn irgendwoher muss die Macht der Wünsche kommen.

Auf höherer Ebene kann man unterscheiden zwischen limitierten Wunscherfüllern (menschliche Könige, Kobolde, geringere Geister) und unlimitierten Wunscherfüllern (Fae, Dschinn, Dämonen, Götter). Die Erstgenannten sind schlicht nicht mächtig genug, einige Wünsche zu erfüllen; den anderen scheint nahezu alles eine Kleinigkeit zu sein.

Eine weitere Unterteilung kann man treffen zwischen wohlmeinenden und übelmeinenden Wunscherfüllern. Dankbare und nette Wesen erfüllen den Wunsch in der Regel, wie er gedacht ist, warnen den Wünschenden möglicherweise sogar und geben guten Rat. Ein Problem gibt es mit ihnen, wenn sie den Wunsch (oder Menschen insgesamt) nicht verstehen und/oder nur den Wortlaut erfüllen können. Noch gefährlicher sind übelmeinende Wesen: Sie verstehen den Wunsch nicht nur, sie vermögen es auch, ihn zum größtmöglichen Schaden zu verdrehen.

Trevi-Brunnen in Rom, ein WunschbrunnenDer Trevi-Brunnen, ein traditioneller Wunschbrunnen

Ein Sonderfall sind bestimmte Zeiten, Orten und Phänomene: zur richtigen Zeit ein Opfer in einem bestimmtem Tempel gebracht lässt die Bitte wahr werden; und wer eine Sternschnuppe sieht, kenn sich etwas wünschen. In der Fantasy werden Sternschnuppen zudem oft mit magischen Wesen gleichgesetzte, bisweilen auch mit fallenden Engeln, und gelegentlich haben die Sterne selbst besondere Macht. Näher an der Erde kennt man Wunschbrunnen, der ihm angetragene Wünsche in Erfüllung gehen lässt. Dieser Brauch geht auf den Gedanken dort hausender Götter zurück; die in den Wunschbrunnen geworfene Münze ist Opfer oder Dank an den Gott.

Wer wünscht?

Wird ein Wunsch als Lohn für Heldentaten gewährt und wählt der Held eine angemessene Belohnung, so bekommt er diese meist auch. Ein Kernelement eines solchen Wunsches ist die Angemessenheit: Die Hand der Prinzessin ist durchaus üblich; Herrscher der Welt zu sein eher nicht und wird zu Problemen führen und selbst gleich jetzt den Platz des Königs einzunehmen wird kaum auf Gegenliebe stoßen, sofern dies nicht versprochen war. Geht ein Wunsch über das Maß hinaus, stellt sich in der Regel heraus, dass der Held ihn nicht genießen kann.

Zufällig erhaltene Wünsche werden ganz unterschiedlich verwendet. Mancher äußert sie selbstlos zum Vorteil anderer. Diese Wünsche gehen generell in Erfüllung wie beabsichtigt. Dies ist vereinzelt sogar eine Methode, den Pakt mit einem Dämon (unabsichtlich) zu brechen. Auch kleinere Wünsche zum eigenen Nutzen tragen meist keine Nachteile - aber eben auch keinen weltumwälzenden Effekt.

Wird ein Wunsch hingegen egoistisch oder unangemessen verwendet, so zahlt der Wünschende meist einen Preis dafür oder das Ergebnis ist für ihn nutzlos: Vielleicht bekam er das Geld, das er sich wünschte - als Lebensversicherung für den soeben verunfallten Partner; vielleicht ist das Gewünschte gar nicht so erstrebenswert wie gedacht; und vielleicht bringt es ganz einige Probleme mit sich.

Einzelne Wünsche

Magische Artefakte wie Ringe, Wunschsteine oder ausgepustete Geburtstagskerzen erfüllen meist nur einen Wunsch, der gut genutzt oder verschwendet wird und damit hat es sich. Häufig sind diese Wünsche der Auslöser für ein Abenteuer, wenn sie unklug genutzt werden. Gelegentlich lösen sie Schwierigkeiten auf - wobei die üblichen Probleme mit Wünschen dies einfacher klingen lassen als es ist. Schlecht gemacht wirkt ein solcher Wunsch wie ein deus ex machina.

Öfter ist ein solcher Wunsch daher das letzte Mittel und schafft neue Probleme. Die Suche nach dem richtigen Wunsch kann daher ein Abenteuer für sich darstellen. Häufig stellen Protagonisten dabei fest, dass sie den Wunsch eigentlich gar nicht brauchen - oder dass er eben nicht ihre Probleme löst und sie dies selbst tun müssen.

Hierbei gibt es einige prominente Ausnahmen wie die Affenpfote (aus William Wymark Jacobs' Erzählung), die jedoch verflucht ist und die Wünsche stets auf düstere Weise erfüllt oder dem Flaschenteufel/Flaschenkobold (Robert Louis Stevenson), der seinen letzten Besitzer in die Hölle verdammt. Das Auryn aus der Unendlichen Geschichte (Michael Ende) ist eine moderne Variante, die beliebig viele Wünsche erfüllt - aber für jeden Wunsch eine Erinnerung vergehen lässt.

Drei Wünsche

Viele magische Wesen gewähren hingegen drei Wünsche. Die meisten dieser Geschichten folgen einem klaren Muster:

  • Der erste Wunsch wird unbedacht verschwendet;
  • der zweite Wunsch richtet großes Unheil an;
  • der dritte Wunsch macht das Unheil ungeschehen.

Am Ende bleibt dem Wünschenden somit nichts - ausgenommen mögliche Weisheit. Selten wird das Muster durchbrochen und zum Beispiel dem Wunscherfüller durch den dritten Wunsch die Freiheit versprochen - und tatsächlich gewährt. Noch seltener verzichtet der Wünschende auf seinen abschließenden Wunsch.

Variante: Zurück ins Unglück

Eine Variante der drei Wünsche wurde vor allem durch das Computerspiel Planescape: Torment bekannt. In diesem wacht ein Mann auf und wird von einer alten Frau nach seinem dritten Wunsch gefragt. Verwirrt fragt er, was mit den vorherigen zweien gewesen sei und erhält zur Antwort, er habe sich als zweites gewünscht, dass alles wieder so wird wie vor dem ersten Wunsch. Schließlich äußert der Mann seinen dritten Wunsch: "Ich wünsche zu wissen, wer ich bin" woraufhin die Frau bemerkt. "Lustig - das war dein erster Wunsch."

Hier wird im Endeffekt der dritte Wunsch als zweiter geäußert und die Katastrophe im dritten Wunsch wiederholt - eine düstere Variante, die entweder die Katastrophe besiegelt oder es notwendig macht, ein gutes Ende zu erarbeiten.

Moralische Sicht

Wünsche sind fast immer mit einer moralischen Komponente verbunden. Dies klang bereits in den obigen Abschnitten an: Der Charakter des Wünschenden spielt so gut wie immer eine Rolle.

"Mögen alle deine Wünsche in Erfüllung gehen" klingt gut - aber es ist keineswegs ein Segen. Zumindest nicht ausschließlich, denn es kann auch als Fluch benutzt werden. Denn Wünsche sind dann sinnvoll, wenn sie ein Ziel sind, auf das man hinarbeitet. Gehen alle Wünsche in Erfüllung, womöglich von selbst, bleibt kein Ziel. Es gibt nichts mehr zu erreichen. Am Ende eines erfüllten Lebens ist so etwas schön, nicht jedoch in jungen Jahren - die Ziellosigkeit, das Zufallen aller Wünsche wird zum Fluch. Ein irischer Segen behebt diesen Makel: "Mögen alle deine Wünsche in Erfüllung gehen, außer einem, so dass du immer etwas hast, wonach du streben und auf das du dich freuen kannst".

Auch die meisten Wunsch-Geschichten beinhalten diese Moral. Der Held, der den Wunsch als Lohn erhält, hat oft unglaubliche Anstrengungen geleistet, um ihn zu bekommen, womöglich sogar die klassische Unlösbare Aufgabe. Er hat für sein Ziel gearbeitet - und der Wunsch ist in der Regel angemessen.

Anders Wünsche, die jemand aus Zufall erhält. Sie werden vergeudet und im besten Fall bleibt eine Kleinigkeit oder nichts zurück. Metaphorisch hatten sie keinen Wert, da sie ohne Grund einfach zugefallen sind. Sinistre Varianten mit Dämonen hingegen, lassen den Wünschenden selten gut wegkommen - mit dem offensichtlichen Problem.

Werden drei Wünsche gewährt, kommt häufig eine gelernte Lektion hinzu. Meist wird mit ihnen immerhin das geschaffene Unheil behoben. Zurück bleibt dann im besten Fall gewonnene Weisheit. Nur selten verzichtet eine Figur auf einen oder mehrere Wünsche: Sie hat erkannt, dass sie nicht glücklicher machen würden.

Bekannte Beispiele

  • Viele Märchenvarianten, z. B.: Ein Holzfäller bekommt 3 Wünsche, wünscht sich eine Blutwurst, woraufhin seine Frau wünscht, sie würde ihm an der Nase kleben; der dritte Wunsch löst die Wurst.
  • Der Flaschenkobold (The Bottle Imp): Ein Kobold in der Flasche erfüllt alle Wünsche, führt den Besitzer beim Tod aber in die Hölle und lässt sich nicht verschenken.
  • König Midas: Wünschte sich vom Gott Dionysos, dass alles, was er berührt, zu Gold werde.

Quellen und Verweise

Avatar von nico Artikel von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

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