Buch-Cover, Rolf Clostermann: Der Zorobaster - Das verlorene Buch der Zauberer

Der Zorobaster - Das verlorene Buch der Zauberer

Illustrator: Alfred Marschall-Sutor
Genres: Fairytale Fantasy; Phantastik
Verlag: INFO3
Seiten: 308
Erschienen: 10/2015 (Original: 2015)
ISBN: 978-3-95779-034-7
Preis: 18,90 Euro (Softcover)
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In einem Baggersee am Niederrhein taucht eine Feder auf - die Feder, mit dem der Zorboaster geschrieben wurde. Doch nun ist Fynn in Gefahr, denn der böse Zauberer Klingsor besitzt das Zauberbuch. Um dessen Macht voll zu entfalten benötigt er jedoch die Feder, wie Fynn von Ferrice dem Staubigen erfährt. Gemeinsam mit seiner Schwester Leslie beschließen sie, den Zorobaster zurückzuerobern und brechen zu einer Reise voller Abenteuer auf: Snuffgolms, Trolle, Treibsand, Eis und Schnee - aber auch neue und alte Freunde.

Das Buch erhält 7-8 von 10 Punkten.

Der Zorobaster - Das verlorene Buch der Zauberer bezeichnen Autor und Verlag als eine fantastische Historiensaga. Das passt. Das passt sogar sehr gut: Märchenhafte und sagenhafte Anklänge spinnen Fäden zu Bekanntem. Dabei spielt die märchenartig-einfache Handlung in einer durchaus modernen Welt.

Einfach und Verständlich

Der Zorobaster ist grundsätzlich in kurzen und leicht verständlichen Sätzen geschrieben. Das könnte man auch negativ auslegen: Fehlt Komplexität? Ich antworte: Nein. Zugegeben ist das Buch nicht sonderlich komplex, aber das passt. Vielmehr fallen einzelne, komplexere Namen auf: Schastel marveile oder Byleth Theleban passen nicht so recht in das (imaginären) Koselgebirges, aber dazu unten mehr.

Denn abgesehen von diesen Namen orientiert sich das Buch häufig am Stil der Märchen: eine klare Handlung, Held (bzw. Helden), eine klare Aufgabe, Feinde, Prüfungen, Helfer und Schurken. Die Figuren sind, was sie sind; Rechtfertigungen oder besondere Motivationen gibt es nicht - die Figuren agieren, weil sie es halt tun; die Rollen sind klar verteilt.

Zwar gibt es in diesem Roman mehrere Perspektiven, aber insgesamt geht es immer sehr geradlinig vorwärts. So ist das im Märchen aber halt: Niemand brennt Dornröschens Hecke einfach nieder oder gräbt einen Tunnel ins Schloss. Und niemand erwartet dies. Rolf Clostermann setzt durchgehend den Ton, dass man auch in seinem Buch gar nicht auf die Idee unorthodoxer Lösungen kommt.

Der Zorobaster ist vermutlich auch sehr gut zum Vorlesen geeignet. Selbst junge Kinder werden die Geschichte verfolgen können - ihnen entgehen aber vermutlich einige Anspielungen.

Fremdartige Namen

Denn häufig setzt Rolf Clostermann auf Archetypen und formuliert diese auch nicht weiter aus: Mönche, Waldläufer, diverse andere Figuren, darunter der böse Zauberer Klingsor. Klingsor und das erwähnte Schastel marveile mag manchen aufhorchen lassen: Ja, diese Namen stammen aus dem Parzival (Wolfram von Eschenbach). Einerseits passen sie. Andererseits warfen sie mich ziemlich aus der Bahn. Sie passen nicht ins Koselgebirge. Das gilt auch für viele englisch-keltische Namen (z. B. den Mönch Gerwasius von Tilbury oder den Waldgott Cernunnos). In einem mythologisch-sagenhaften (und teilhistorischen) Rahmen passen sie durchaus. Dies setzt jedoch entsprechende Kenntnisse voraus. Ohne diese wirken sie wie Fremdkörper in einem "deutschen" Gebirge: Sie ließen mich mehrmals innehalten.

Gelegentlich (selten!) ist auch einfach die Beschreibung überkandidelt. Magie in Märchen braucht keine Erklärung: Sie funktioniert, ist Teil der Welt. Am Ende des Buches wird der Zorobaster jedoch noch mit allerlei modernen pseudomagischen Eigenschaften angepriesen: Goldener Schnitt und vieles mehr. Für mich brach dies mit dem restlichen Stil und hatte keinen echten Nutzen.

Interessante Figuren

Erfrischend und interessant sind einige Figuren. Gleich zu Beginn trifft der Leser auf Fynn und Leslie, die mancher schon aus Truksvalin: Der Weg kennen. Dieses Land der Zwerge und was dort geschah wird öfter erwähnt - ein netter Bonus für treue Leser. Ist dies der zweite Teil der Truksvalin-Saga? Gefühlt eher nicht: Die Zwerge sind nur Randfiguren im Hintergrund. Die Reise der beiden Kinder ist eine eigene Geschichte mit neuen Freunden und einer klaren Aufgabe. Besonders Ferrice der Staubige hat es mit angetan: ein Magier, ein Staubiger, der mal eben zu einem Häufchen Staub wird, wenn es passt. Etwas Vergleichbares kenne ich nicht aus Märchen Das gilt auch für die Formalwesen - die übrigens wohl ihre Freude am Goldenen Schnitt des Zorobasters hätten, denn klare Anweisungen, Bestimmungen und Maße sind ihre Freude. Oder vielmehr ihre Existenz.

Übrigens: Die Kapitel beginnen mit einer Illustration von Alfred Marschall-Sutor und machen die Gefahren greifbarer, wirken in schwarz-weiß aber auch für jüngere Leser nicht allzu unheimlich.

Teilmodernisierung - Bezug zur Gegenwart

Jene Formalwesen sind einer der klareren Bezüge zur Gegenwart. Sie sind Verkörperungen von Gesetzen und Bürokratie, die nicht weiter hinterfragt werden, sondern nur umgesetzt. Sie setzen Leslie und Fynn zu, als sie in das Reich des finsteren Pogolchs geraten. Schade eigentlich, dass dies erst so spät geschieht, aber vermutlich hätten die Formalwesen sonst die Handlung zu sehr aufgehalten. Dabei sind sie im Grunde nicht einmal gut oder böse ... nur ziemlich lästig. Wie eine Bestätigung oder Erlaubnis, die eigentlich nur Formsache ist, ohne die aber eben nichts weitergeht. Ich erinnere mich da düster an die Beantragung eines Reisepasses ...

Dies ist natürlich eine Abweichung zum Märchen. In seinem Buch mischt Rolf Clostermann traditionelle Elemente mit Modernen: Mönche, Zauberer, Trolle und Waldläufer wandeln im Koselgebirge und die Kinder leben auf einem Obstbauernhof. Den Gegensatz bildet das Land des Pogolch mit Motorrädern, Polizei, Wäldern aus Stahl und Bürokratie. Allerdings gibt es auch hier immer noch das klassische Verlies. Diese klassischen/modernen Elemente sorgen für einen gewissen Kontrast und zugleich für Aktualität.

Die moralischen Schlussfolgerungen überlässt der Autor dem Leser. Zwar werden die Formalwesen kommentiert und ein mysteriöser Retter bringt zusammen mit den Mönchen christliche Anklänge, aber dies wird nicht weitergehend thematisiert. Dass daneben auch Cernunnos und andere "heidnische" Wesen existieren, stört überhaupt nicht und der Gegensatz zwischen Naturwesen und den schlechten Seiten moderner Industrie ist deutlich schwächer als in seinem ersten Buch.

Der Zorobaster war für mich eine angenehme, genüssliche Lektüre. Nicht zum schnell lesen oder gar verschlingen; vielmehr zum stückweise weiterlesen. Das richtige Buch auch zum Vorlesen an langen Winterabenden - gerade auch für jüngere Kinder.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


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