Buch-Cover, Markolf Hoffmann: Flammenbucht

Flammenbucht

Serie: Das Zeitalter der Wandlung (#2)Genre: Fantasy
Verlag: Piper
Seiten: 462
Erschienen: 10/2004 (Original: 2004)
ISBN: 3-492-28536-8
Preis: 9,90 Euro (Softcover)
Schlagworte: Echsenmenschen
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Grimoires.de    
Wertung: 5/5 Grimoires; 9/10 Punkte, Sehr gut

9/10

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Wertung: 4/5 Grimoires; 8/10 Punkte, Gut bis sehr gut

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Das Kaiserreich Sithar ist am Rande der Verwüstung. Mittlerweile hat es nicht nur mit den eindringenden Goldéi eine ernste Bedrohung zu bekämpfen sondern ist auch intern zerrüttet: Der Kaiser ist abgesetzt, zunächst verschwunden in einem düsteren Verlies, dann tot und schließlich begraben. Viel unmittelbarer als die Goldéi ist zudem die Bedrohung durch Nhordukael, den "Auserwählten", der inzwischen über das Auge der Glut gebietet und entschlossen ist, die Tathrilya mit aller ihm zur Verfügung stehenden Macht zu bekämpfen - und das Auge ist die mächtigste Quelle des Reiches... Nach einigen Scharmützeln bleibt den Mitgliedern des Silbernen Kreises nur, ihre Sitze in Thax zu räumen und nach Vara zurückzukehren.

Baniter Geneder, endlich wieder in seiner Heimat, wittert seine Chance, das Fürstentum zurückzuerlangen. Diese Chance scheint einmalig, ist seine Herrschaft doch der einzige Garant für die Unterstützung der Bürger und kann sich selbst das Gespann keine weiteren Intrigen leisten.

Doch als ob das noch nicht genug ist kommt es auch andernorts zu Auseinandersetzungen: Rumos, zuvor Lehrer des neuen Kaisers Uliman, hat sich in den Süden begeben, wo er seine Mission für die Bathaquar vollenden will. Und auch im Herzen der Tathrilkirche hat sich jene Sekte längst schon breit gemacht. Überlagert wird Rumos' Mission von dem ewig währenden Kampf Mondschlunds gegen Sternengänger, der auch als Durta Slargin bekannt ist. Beide Erzmagier haben nunmehr einen Auserwählten gefunden und stehen einander als unversöhnliche Feinde gegenüber. Das Zeitalter der Wandlung hat endgültig begonnen...

Das Buch erhält 9 von 10 Punkten.

Schon im ersten Band der Trilogie ließ ich verlauten, dass die Masse der Charaktere sowohl Reiz als auch Problem darstellt. Es wird niemanden in Erstaunen versetzen, dass dies auch für den zweiten Teil gilt. Hier werden sogar zusätzliche Personen eingeführt, die jedoch im Vergleich zu den anderen weitaus fröhlicher sind und sich allein durch diese Abgrenzung schon schnell einprägen. Da das Zeitalter der Wandlung auf eine Trilogie begrenzt ist, bleibt man jedoch von einem Jordan-artigen personellen "Overkill" verschont. Neben den neuen Personen und der Politik der Menschenreiche unter sich rücken die Goldéi ein wenig in den Hintergrund, bleiben aber ständige Bedrohung.

Insgesamt gesehen zeigt das zweite Buch also die politischen Auswirkungen der Goldéischen Invasion. Zusätzlich weitet es sich aber auch in Form des bereits bekannten Zauberlehrlings Laghanos und des "Auserwählten" Nhordukael auf die Ebene der Magie aus: die beide haben Zutritt in die Sphäre gefunden, auf gänzlich verschiedene Weise. Der eine durch das Auge der Glut, der andere durch das "Heilige Spektakel". Der eine dient Mondschlund, dem Blender, der andere Durta Slargin, dem Sternengänger

Diese beiden Gestalten werden im zweiten Buche ebenfalls mit mehr Leben erfüllt. Wirkte Mondschlund im ersten Buch noch düster-bedrohlich und Durta Slargin wie der Retter und Gönner der Menschheit, stellt sich dies im zweiten Buch anders dar, ebenso wie einige Legenden aus einem anderen Mund bisweilen anders erzählt werden. Die Sympathielenkung ist dem Autoren hier außerordentlich gut gelungen: Keiner der beiden Erzmagier konnte zuletzt mein "Vertrauen" gewinnen, jedoch wurde jener, der zuerst als "absoluter Feind" erschien mehr und mehr zum eigentlich Guten - wenn da nur nicht sein Beiname wäre... An dieser Stelle kann man sich wohl lange den Kopf zerbrechen, auf wessen Seite man besser stehen sollte -, wer was bezweckt - und welche Motive hinter Sternengänger und Mondschlund stehen. In jedem Fall sind es keine eindeutigen Charaktere. Ihre letzte Rolle wird erst noch offenbart werden müssen.

In einem Interview sagte Markolf Hoffmann, es ginge ihm auch darum, auf die reale Welt anzuspielen: Glaubenskonflikte, auch als Mittel der Politik; Seperatismus (im ersten Buch) u.v.m. Wenngleich viele "Flammenbucht" lediglich als Freizeitlektüre betrachten werden, ist doch unzweifelhaft erkennbar, dass das Ziel in gewisser Hinsicht erreicht wurde. Hoffmann schildert eine Kirche, die am Ende ist, die sich mit mehreren militanten Gruppen an ihrem Rand bekriegt - und über allem schwebend die unberechenbare Macht der Sphäre. Auch wenn keine direkte Übertragung auf unsere Welt - geschweige denn eine Identifikation mit irgend einer Religion! - möglich ist, so wird das Unterbewusstsein doch geschärft ohne in irgend einer Form zu werten. Die zentrale Fragen, die sich nicht nur Protagonisten stellen, sondern auch auf den Leser zukommen (und nicht beantwortet werden) lauten: Wer erzählt eigentlich die Legenden? Wer hat sie verändert? Was davon ist wahr, was schon Auslegungssache? Wem kann ich überhaupt glauben, wer erzählt unwissentlich das falsche? Und: Was bin ich? Ein blinder Gefolgsmann oder ein Zweifler, der hinterfragt?

Vielleicht ist dies die Form, in der man sich "modern" mit moralischen Fragen auseinander setzten sollte. In jedem Fall ist es eine Form und anhand eines solchen abstrakten Beispiels lässt es sich leichter arbeiten als beispielsweise mit einem von über Jahrhunderte angesammelten Schwulst von (Vor-) Urteilen über den Nahen Osten. Und: es fehlt der moralische Zeigefinger "das MUSS man so sehen". Ich für meinen Teil bin der Überzeugung, dass manch Jugendlicher still für sich nachdachte und aus so manchem "trivialen" Buch mehr Schlüsse ziehen konnte, seinen Platz und seine Ansichten besser ausprägte als durch Unterrichtsfächer wie "Werte und Normen" oder "hohe Literatur", deren Interpretation und Auslegung de facto schon vorgeschrieben ist. Markolf Hoffmanns Buch ist sicher nicht das einzige, das auf indirekte Weise zum Nachdenken anregt. Letzten Endes tun dies alle. Doch Hoffmanns Buch ist ein aktuelles neues Buch - und zudem "Trivialliteratur". Ich für meinen Teil ziehe solcherart Unwertendes jeder Zeit einem Setting vor in dessen Hintergrund eine nationalsozialistische Armee marschiert und somit das "Feindbild" eindeutig festlegt.

Ein Wermutstropfen findet sich nicht auf der Ebene von Charakteren oder Story sondern einmal mehr in Sachen Druck oder Korrektur: die üblichen kleinen Druck- bzw. Flexionsfehler anderer Art haben auch dieses Werk nicht verschont, halten sich aber unter dem Bereich dessen, was unweigerlich negativ auffallen würde. In der Masse des Textes ist dann auch ein mir nicht nachvollziehbarer Gedankensprung mitten in Nordukhaels Gedanken nicht allzu wichtig. Etwas störender als diese - aber eben personalbedingt - ist das wieder hineinfinden in die Charaktere. Bei Baniter, Laghanos, Nhordukael und anderen Hauptpersonen macht dies freilich keine Schwierigkeiten, doch hatte ich beispielsweise vollkommen vergessen, welche "Randperson" das Einende trug. Eine gewisse Überfrachtung mit Charakteren (4 Seiten dramatis personae) ist also festzustellen, zumal einige nicht mehr als Staffage darstellen. Die Hauptcharaktere allerdings bieten vielfache Möglichkeit zur Identifikation oder Ablehnung und stellen in keinem Fall strahlende Helden oder schmierige Schurken dar.

Bleibt am Ende zu sagen: Wer an "Nebelriss" seine Freude gefunden hat, der wird nicht bereuen, die Lektüre mit "Flammenbucht" fortzusetzen. Und Markolf: Schreib gefälligst schneller, ich will wissen, wie es ausgeht!

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


Zitat(e) aus dem Buch

  • "Du brauchst wahrlich nicht die Kappe eines Narren aufzusetzen, um einer zu sein."
  • "O Rumos, mein Herr... spürst du sie nahen? Goldene Segel und goldene Schwerter... der Schleier fällt, und tosend steigt das Salz in alte Wunden... die Goldéi kommen herbei, geführt von einer Macht, die mich erzittern läßt... fast sehn ich mich nach jenem Felsengrund zurück, den du mir einst zum Kerker machtest... kehr um, mein Herr Rumos, wende dein Schiff, o Rumos, mein Herr!"
  • Der Schlüssel Sprengt den Stein der Tod ein Trug.
  • Geboren in Vara, ermordet in Persys, begraben im Berg von Carmand.
  • Der Rosenstock trägt keine Blüten mehr und Mondschlund schweigt noch herrscht der Tag doch bald sinkt schwer die Finsternis in unsre Sinne und hüllt in Schatten, was kein Mensch erblicken darf.
  • "Das Zeitalter der Wandlung[...]...in Gold gegossen bricht der Stein, und goldumflossen stürzt der Narr, der sich erhob zum selbstgewählten Knecht der Macht..."
  • "Das Zeitalter der Wandlung hat begonnen.[...] Die Bathaquar kehrt zurück, und die Welt taumelt dem Abgrund entgegen, vor dem uns Durta Slargin einst bewahrte."

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Lesermeinungen:

Name: Gast Bewertung: Wertung: 3/5 Grimoires; 6/10 Punkte, Kann-Lektüre (6) Datum: 25.01.2006 15:17:07
Im Großen und Ganzen stimme ich der Rezension zu, wenn sie mir teilweise auch zu überschwenglich ausfällt.
Einen Punkt jedoch spricht sie nicht an, der mir bei dem Buch stark ins Auge gefallen ist: Es beginnt mit einem ellenlangen Prolog, in dem der Untergang von 7 alten Städten beschrieben wird. Diese Beschreibung ist wunderschön und baut ein herrliches Ambiente für den Hintergrund de Romanwelt auf.
Leider läßt der Autor es aber nun nicht hierbei bewenden, sondern philosophiert das ganze restliche Buch über immer wieder darüber, daß absolut alle je existierenden Städte irgendwann einmal unweigerlich zum Untergang verurteilt sind. Ich weiß ja nicht, wie es Anderen geht, aber mich jedenfalls stört es, wenn in einem Buch Theorien verteidigt werden, die so offensichtlich mit der Wirklichkeit kollidieren.
mag ja sein, daß es in der geschichte der Menschheit einige untergegangene Städte gibt, aber jeder von diesen stehen doch zehn gleichalte gegenüber, die noch existieren oder zumindest Nachfolgesiedlungen haben...

Also: Ein nettes Buch, aber es hat auch seine Schwächen.

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