Buch-Cover, Alexander Schick: Das wahre Sakrileg

Das wahre Sakrileg

Genre: Sekundärliteratur
Verlag: Knaur
Seiten: 191
Erschienen: 05/2006 (Original: 2006)
ISBN: 978-3-426-77955-2
Preis: 7,95 Euro (Softcover)
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Wertung: 3/5 Grimoires; 6/10 Punkte, Kann-Lektüre

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Dan Browns Bestseller Sakrileg oder im Original The DaVinci Code schickt sich an, das am meisten verkaufte Buch der Welt zu werden - wenn es das nicht längst schon ist. Der Roman löste eine weltweite da Vinci-Hysterie aus und zog letztes Jahr eine ähnlich erfolgreiche (wenn auch schrecklich anödende) Verfilmung mit sich. So viel Erfolg darf natürlich nicht ungesühnt bleiben, vor allem nicht, wenn Autor Dan Brown das Allerheiligste der westlichen Zivilisation angreift: Jesus Christus und die katholische Kirche. Mittlerweile dürfte es eigentlich bereits jeder wissen, aber dennoch seien an dieser Stelle Browns in Sakrileg konstruierte Verschwörungstheorien nochmals kurz vorgestellt. Jesus Christus war angeblich gar nicht göttlicher, sondern rein menschlicher Natur. Mehr noch, er hatte eine Beziehung zu Maria Magdalena und sogar ein Kind mit ihr. Die katholische Kirche versuchte dies über 2000 Jahre hinweg geheim zu halten und alle Beweise von Jesus' Menschlichkeit zu vernichten, während eine geheime Bruderschaft Zions dieses Geheimnis die ganze Zeit über zu bewahren versuchte.

Christen können das natürlich nicht auf sich sitzen lassen, deswegen erscheint jetzt die vierte Auflage des Sachbuchs Das wahre Sakrileg von Qumranexperte Alexander Schick. Eigentlich scheitert dieses Buch bereits an seiner Prämisse, sämtliche Fakten des Romans Sakrileg klarstellen, lies: Dan Brown des monumentalen Pfuschs überführen zu wollen. Schließlich handelt es sich ja doch nur um einen extrem spannenden Roman, der sich durch für den Laien glaubwürdige Spekulationen zusätzliche Würze zu verleihen versteht. Nun gut, Brown begeht den Fehler, alle seine im Buch dargelegten Thesen als "Fakten und Tatsachen" anzupreisen - und genau auf diesen Anspruch stürzen sich sämtliche Wissenschaftler und Historiker mit Vorliebe, während sie ihm Populismus und Ausbeutung einer unwissenden Leserschaft vorwerfen. Dass die Verkaufszahlen von Sakrileg nach einer vernichtenden Publikation wie Das wahre Sakrileg nicht gerade sinken werden, scheinen die Autoren dabei nicht zu bedenken. Der gegenteilige Effekt, dass alles, wo "Sakrileg" draufsteht, mittlerweile weggeht wie geschnitten Brot, dürfte jedenfalls auch nicht gerade unangenehm sein. Aber hier geht es ja nicht nur ums Finanzielle, sondern um mehr, nämlich um die Ehre der Wissenschaft und um die Rettung armer, verwirrter christlicher Schäfchen, die durch Sakrileg einmal dazu aufgefordert wurden, für sich selbst zu denken. Browns Daten mögen noch so falsch sein, seine Kritik an eingerosteten Strukturen innerhalb der Kirchen und der Gesellschaft trifft voll ins Schwarze. Seine implizite Aufforderung, sich mit dem eigenen Glauben zu beschäftigen, kann im Endeffekt nur positive Auswirkungen haben - von welchem Standpunkt auch immer.

Aber zum Buch Das wahre Sakrileg selbst. Auf 191 Seiten werden die zentralen Thesen von Sakrileg der Reihe nach demontiert, von den Behauptungen über Leonardo da Vinci über die angeblichen Bibelfälschungen durch Konstantin im 4. Jahrhundert bis hin zu den wahren Inhalten der Qumranrollen wird dem Leser der aktuelle Stand der Wissenschaft sehr gut verständlich, ansprechend geschrieben und passend bebildert präsentiert. Vor allem die Geschichten über die archäologischen Entdeckungen in der Wüste sind sehr interessant - die Chroniken der Funde, von wem sie gefunden, wie verwendet und an wen verkauft wurden, hat selbst schon fast etwas Krimihaftes. Die Erkenntnis, wieviele historische Schätze dabei dennoch zu Staub zerfallen sind, schmerzt. Zu diesem Zeitpunkt ist es dann natürlich keine Überraschung mehr, wenn herauskommt, dass Dan Browns Fakten größtenteils ziemlich daneben liegen. Das Interessante an Das wahre Sakrileg ist demnach nicht, wie seine Thesen falsifiziert werden, sondern welche Inhalte die historischen Dokumente, der er in seinem Roman erwähnt, tatsächlich besitzen und was diese uns über die Geschichte sagen können.

Natürlich hat Das wahre Sakrileg dabei immer noch eine christliche Agenda. Aber glücklicherweise wird die Bibel größtenteils eher als historisch überlieferter Text denn als heiliges Dokument betrachtet, was der Glaubwürdigkeit von Schicks Sachbuch sehr dienlich ist. Freilich, ab dem fünften Kapitel beginnen sich die Vorwürfe und Hinterführungen gegen Brown zu ermüden, werden immer die gleichen Vorwürfe vorgetragen, wird immer wieder der Anspruch von Sakrileg auf Faktentreue zitiert. Das hat man eigentlich schon begriffen, bevor man sich Das wahre Sakrileg im Laden gekauft hat. Dennoch, die interessant vorgetragenen wissenschaftlichen Fakten ist es wert.

Fazit: Alexander Schicks Das wahre Sakrileg ist spannend, wenn es die echten Fakten erzählt und bebildert, nervt, wenn es auf Browns Sakrileg eindrischt und ödet einfach nur an, wenn es in christliche Predigten verfällt. Zum Glück steht der wissenschaftliche Anspruch an erster Stelle.

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Avatar von DerDoktor Rezension von: (Grimoires.de)
Der Doktor ist preisgekrönter Wahnsinniger in mehreren Freundeskreisen. Seit langem ist er im Bereich Fantasy unterwegs. Oder vielleicht eher im Bereich Realität?

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


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