Realistische Fantasy

"Realistische Fantasy" mag von einigen als Widerspruch gesehen werden.

Unter diesem Genre fasse ich all jene Werke zusammen, die zweifelsohne Fantasy sind aber dennoch in einer bestimmten Weise realistisch wirken wollen. (Grundsätzlich will jede Geschichte realistisch und möglich wirken.) Dies heißt zunächst, dass sie keinesfalls historisch verankert sind. Eine solche Verankerung würde entweder ins Genre des historischen Romans führen oder in historische Fantasy. (Zweifelsohne haben beide einen im Vergleich mit anderen phantatsischen Genres relativ hohen Realitätsanspruch.) Wir haben es hier also ganz klar mit erfundenen Welten zu tun.

Im Zentrum des Geschehens stehen hier jedoch seltenste Überhelden. Gibt es dennoch einen solchen, so ist er meist in irgend einer Weise beschränkt, kann allein nicht viel ausrichten. Es mag epische Konflikte geben oder aber für das Geschehend der Welt unbedeutende: In jedem Fall gibt es keine "machina ultima", keine alles lösende Instanz in der Welt.

Schlachten werden nicht von einer einzigen Person oder wenigen gewonnen (wohl aber stark beeinflusst). Helden sind nicht unfehlbar. Fast jeder hat eine Schattenseite. Gut und Böse liegen mehr als sonst im Auge des Betrachters und oft kann man eine Seite einfach nicht als gut oder böse bezeichnen.

Die "Helden" dieses Genres können nicht mehr ausrichten als eine echte Person mit exzellenten Fähigkeiten, sind also auf weitere Handlungsträger angewiesen. Dies führt oft dazu, dass man mehr als zögerlich damit ist, sie überhaupt als "Helden" zu bezeichnen. Weitere Handlungsträger sind mitunter die breite Bevölkerung, die hier ebenso zu kleinen Heldentaten fähig ist oder Nebencharaktere, die grundsätzlich aus der breitesten Masse heraustreten, hier aber noch stärker wirken können als anderswo.

Besondere Völker, wie Elfen und Orks, gibt es selten bis nie. Gibt es dennoch nicht-reale Völker, so gibt es eine Art Erklärung für ihre Entwicklung.

Kurzum: Würde man sich eine realistische Fantasywelt als existent vorstellen, so haben die Personen genau die Möglichkeiten, die es in unserer Realität geben würde. Gibt es einen Superhelden, würde dieser nicht geduldet sondern von einem Assassinen getötet. Feinde stellen sich nicht der Reihe nach an sondern töten ihren Gegner gemeinsam und gleichzeitig (es sei denn ein Ehrenkodex o.ä. verhindert dies, was aber in jedem Fall bekannt ist.)

In diesem Sinne bildet die realistische Fantasy das Gegenstück zur heroischen Fantasy - Schlappschwänze sind die Protagonisten aber doch nicht - oder nicht alle. (Vergleich: Druss aus "Die Legende" ist ein echter heroischer Held, hat jedoch durchaus dunkle Flecken und ist alt, kann alleine nichts mehr ausrichten bzw. will dies auch gar nicht.)

Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Genre-Info wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .

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