Im Brunnen der Manuskripte

Thursday Next

Kurz&Knapp (?)

Verarbeitung bekannter Grundlage
Interessante Feinde / Hürden
Neue Ideen

Autor:
Originaltitel: The Well of Lost Plots [EN]
Übersetzer: Joachim Stern
Verlag: dtv
Serie: Thursday Next (Bd. 3)
Genre: Phantastik
ISBN-10: 3-423-24464-X
ISBN-13: 978-3-423-24464-0
Erschienen: 06/2005 [2003]
Seitenzahl: 417
Kaufpreis: 15,00 EUR (Softcover)
Rezensent:

Bewertung: 9/10 Wertung: 5/5 Grimoires; 9/10 Punkte, Sehr gut (Sehr gut)
Besucherwertung:5.33/10Wertung: 2/5 Grimoires; 5.33/10 Punkte, Naja(3 Stimmen)
Kombinierte Wertung:7.62/10Wertung: 3/5 Grimoires; 7.62/10 Punkte, Gut 
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Beschreibung und Rezension:

Buch-Cover, Jasper Fforde: Im Brunnen der ManuskripteThursday Next hat gewisse Probleme: Ihr Mann wurde von der Chronogarde genichtet, sie ist schwanger und hat einige Feinde, unter anderem eine fiktionale Person in der Außenwelt. Um ihr Kind in Ruhe zu bekommen, nimmt sie am Austauschprogramm von Jurisfiktion teil und begibt sich in das Manuskript von Caversham Heights, über dem drohend ein Einstampfungsbefehl schwebt.

Die erhoffte Ruhe gibt es jedoch nicht lange: Die Figuren von Caversham Heights setzen große Hoffnung in eine Rettung durch Thursday. Außerdem steht die Prüfung zur Jurisfiktionsagentin an und noch immer ist der Prozess wegen der Veränderung von Jane Eyre nicht über den Tisch. Als dann auch noch Aornis, Hades' kleine Schwester, sich in Thursdays Träume einmischt und ihre Erinnerung manipuliert, scheint der Höhepunkt gekommen. Doch es wird schlimmer: In den Trubel um die Einführung des neuen Betriebssystems UltraWord(TM) kommt es zum Verschwinden einiger Jurisfiktions-Agenten - anscheinend ist ein Mörder unterwegs, der etwas gegen diese Behörde hat...

Das Buch erhält 9 von 10 Punkten.

"Im Brunnen der Manuskripte" ist der dritte Teil der Thursday Next Reihe. Ich las ihn, ohne dies vorher zu wissen. Es fällt auf, aber erfreulicherweise kommt man auch ohne Vorkenntnisse gut in das Werk hinein. (Leider nicht so gut und wortwörtlich wir Thursday.) Zwar bleiben genaue Bedeutungen öfters unklar (etwa "genichtet"), aber dennoch kann man recht leicht erschließen, was sie ungefähr bedeuten. Dies gilt auch für erwähnte Personen - die Zusammenhänge sind schnell klar. (Dennoch macht es sicherlich Sinn, bei Teil 1 zu beginnen, da solcherart einige Handlungen klarer werden dürften.)

Was außerdem auffällt, ist ein kleines Übersetzungsproblem. Dies taucht an mehreren Stellen auf. Am markantesten ist dies vielleicht im Namen der Hauptfigur: "Donnerstag Nächster" macht wohl noch weniger Sinn als der Englische Name. Aber auch an anderer Stelle tauchen seltsame Sprachwahlen auf, so wird einmal der deutsche Titel eines Buches genannt, wenige Zeilen später der englische. Manchmal auch nur der englische. Das ist aber vermutlich die bessere Wahl gegenüber einer (gezwungenen) Übersetzung. Seltsam ist dies nur bei der "Werbung" im Buch, die offensichtlich mit zur Geschichte gehört aber in Englisch belassen wurde. Macht aber auch nicht so viel aus: des Englischen Unkundige verpassen nicht übermäßig viel.

Das Buch ließt sich überaus locker, ich habe jedoch das Gefühl, dass nur "Literaten" bzw. Leute, die näher mit Sprache zu tun haben, wirklich alles aus dem Buch ziehen können. Es gibt viele Anspielungen auf diverse literarische Werke und Dinge, die derzeit mit der Sprache geschehen (etwa das aktuelle "NeuSchreib(TM)"), die ständig zum Schmunzeln veranlassen. Oder auch die Leiden der Figuren, die Jahrhundertelang die gleichen Rollen spielen und auf einen Preis bei den Bookies hoffen. Andere Dinge wie der "Mispeling Vyrus"(sic!) sind aber offensichtlicher Natur - und Autoren fürchten sicherlich WritersBlock 2.4.

Bei all dem wirkt der Brunnen aber nicht humoristisch überladen. Es gibt eine Geschichte, die überaus interessant ist und die es sich ausdrücklich erlauben kann aus den Bestsellern der Weltliteratur einzelne Elemente zu borgen (und durch den Kakao zu ziehen). Und er macht es gut - so gut, dass ich mir die anderen Teile besorgen werde.

Fazit: Ein außerordentlicher Lesespaß - wie fühlen sich die Figuren eines Romans, was tun sie? Und wie läuft ihr Leben außerhalb der Geschichten ab, in denen sie spielen? Ich will auch zu Jurisfktion! Leseratten, dieses Buch um die Bücher ist etwas für Euch Vielleser und Germanisten sowie Anglisten und sonstige X-Sprachler! Wermutstropfen: Wenigleser werden sicher einige der Figuren nicht kennen und somit einige Witze verpassen - z.B. wenn man "Uriah Heep" primär für eine Band hält.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am 26.05.2005 und zuletzt geändert am 26.05.2005.


Es gibt eine oder mehrere Leseprobe(n) zu diesem Buch:
Im Brunnen der Manuskripte - Leseprobe (extern)

Zitat(e) aus dem Buch:
  • "Genau. Der [Mispeling] Vyrus war weit verbreitet, bis Agent Johnson 1744 sein Wörterbuch vorlegte. Heute halten ihn Lavinia-Webster und der Oxford English Dictionary in Schach. In Frankreich ist er schon lange ausgestorben, und sogar in Deutschland hatte der verdienstvolle Agent Duden ihn nahezu gänzlich unter Kontrolle. Aber in letzter Zeit hat eine Clique von größenwahnsinnigen Qmiehs einen NeuSchreib-Vyrus in Umlauf gebracht, der gegen jede Vernunft resistent ist[...]"
  • Für Leser sind Druckfehler ein Ärgernis, aber innerhalb der BuchWelt sind sie eine Katastrophe.
  • "[...]Im Außenland ist Mord moralisch verwerflich, aber hier drinnen ist es eine erzählerische Notwendigkeit! Ohne Morde und die damit verbundene Spannung hätten wir schon lange Millionen Leser verloren!"
  • "Erinnert ihr euch nicht, was passiert ist, als sie SCROLL updaten wollten?[...]In der Bibliothek von Alexandria ist ein Systemfehler aufgetreten, der sämtliche Texte befiel. Am Ende mussten sie das Ding abbrennen, um zu verhindern, dass die Seuche sich ausbreitet."
  • "Aha", sagte ich. Der Bleistift des Lebens hatte in der BuchWelt also einen Radiergummi am anderen Ende.

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Diese Rezension bewerteten 3 positiv und 1 negativ. (2571 Leser bisher.)

Besuchermeinungen:

Name: Susanne Bewertung: 10 Datum: 30.05.2005 18:23:07
Ich habe die beiden ersten Bände gelesen, und wenn der dritte nur halb so gut ist, dann lohnt sich die Lektüre immer noch! Die Thursday Next-Romane sind so ziemlich das Beste, was mir in den letzten Monaten untergekommen ist. (Nein, Korrektur: sie _sind_ das Beste!)

Alle Besucherkommentare auf einen Blick

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