Buch-Cover, Anthony Horowitz: Todeskreis

Todeskreis

Originaltitel: Raven's Gate [EN]
Serie: Die Fünf Tore (#1)
Übersetzer: Simone Wiemken
Sprecher/Regie: Martin Umbach
Genres: Fantasy Horror; Hörbücher
Spieldauer (Min): 467
Erschienen: 10/2006 (Original: 2005)
ISBN: 3-89614-363-8
Preis: 24,90 Euro (CD)
Schlagworte: Cthulhu-Mythos
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Grimoires.de    
Wertung: 4/5 Grimoires; 8/10 Punkte, Gut bis sehr gut

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Mattehew ist in Schwierigkeiten: Nachdem er bei einem Einbruch ertappt wurde, muss er wahrscheinlich ins Gefängnis. Doch dazu kommt es nicht: Matt wird ein Platz in einem staatlichen Förderprogramm für jugendliche Straftäter angeboten. Auf dem Land, weit weg von den "Versuchungen der Großstadt", soll er durch harte Arbeit Disziplin lernen und zu einem guten Menschen bekehrt werden. Missmutig stimmt Matt zu - allemal besser als Gefängnis oder die Rückkehr zur Tante, die ihn nach dem Unfalltod seiner Eltern aufnahm.

Doch bald ändert Matt seine Meinung: Seine neue Heimat ist ein abgelegenes Kaff und seine Betreuerin ist mehr als unheimlich. Ein Gemälde in ihrem Haus scheint Matt zu beobachten - und erst dieser Kater... Auch die Bewohner des nahe gelegenen Dorfes sind seltsam - aber jeder, der freiwillig so abgelegen wohnt, muss wohl seltsam sein.

Schließlich versucht Matt wegzulaufen, doch es missling: welchen Weg er auch immer nimmt, er gelangt immer nur zu seinem Ausgangspunkt zurück. Außerdem erklingen des Nachts unheimliche Gesänge aus dem Wald. Und woher und wieso hat Mrs. Deverill ein Photo von ihm bei der Beerdingung seiner Eltern?

Das Buch erhält 8 von 10 Punkten.

Laut Kastenrückseite gilt Anthony Horowitz in England als "Stephen King für Jugendliche". Eine Interessante Frage in diesem Zusammenhang wäre die Definition von Jugendlichen für diese Aussage. Der Protagonist Matt ist 14 - also könnte man dies (wie bei Jugendbüchern üblich und praktikabel) als Zielalter der Leser annehmen. Allerdings würde ich hier vorsichtig sein: brutalste Gewalt und Ströme von Blut kommen nicht vor, aber unheimlich ist es bisweilen schon und Menschen sterben. Gefestigte Personen werden keine Probleme haben, aber wann dies bei Jugendlichen der Fall ist, kann man generell nicht sinnvoll sagen.

Die Geschichte selbst baut sich für Matt selbst mysteriös auf, wird Lesern aber schnell durchsichtig. Der Hintergrund mit "alten Göttern" erinnerte mich dabei leicht an Howard Philips Lovercrafts Cthulhu-Mythos, spezifiziert alte Götter aber nicht weiter. Sie bleiben grauer, bedrohlicher Hintergrund. Der Grundplot "Nicht ganz normaler Junge" gegen "Kultisten alter Götter" ist in jedem Fall schnell erkennbar. In diesem ersten Buch der Serie erkennt Matt zunächst nur die Problematik. Die Fortsetzung der Handlungslinie wird angedeutet, ebenso der direkte Nachfolger. Für sich abgeschlossen ist das Buch trotzdem.

Als größtes Manko der Geschichte erachte ich den Wirkungsradius, der bisweilen unlogisch wird: natürlich steht die ganze Welt auf dem Spiel; Kultisten und Gegenorganisation sind die wahren Machtzieher hinter den Nationen; ein Computerprogramm kann in Sekundenschnelle melden, wenn irgendwo auf der Welt im Internet nach einem Begriff gesucht wird. Irgendwann muss man sich an den Kopf fassen: Wer derartige Macht und Möglichkeiten hat, wird seine Probleme auch auf weltlich-normale Weise lösen können und sich nicht auf einen Jungen stützen müssen, der hier auch viel eher problematisch als hilfreich scheint. Abgesehen davon klingt eine Verschwörungstheorie mit allsehenden Progrmamen doch arg unrealistisch - ebenso, wie das bloße Vorhaben, zwölftausend Ergebnisse einer Suchmaschine manuell zu überprüfen. Viel Spaß!

Die Umsetzung zum Hörbuch ist bis auf einzelne Stellen gut gelungen. Bei manchen Tracks, so auch beim letzten, wird der Erzähler allzu abrupt abgebrochen und wieder eingespielt. Es klingt, als ob das Luftholen hier weggeschnitten wurde. Gelegentliche englische Aussprache von Wörtern wirkte ebenfalls seltsam, aber ansonsten werden Stimmung und Spannung gut übermittelt.

Ein Kritikpunkt noch am Titel. "Todeskreis" heißt dieser nun statt des Englischen "Raven's Gate" ("Das Rabentor" oder "Das Tor des Raben"). Jener Originaltitel kommt im Roman auch direkt vor - und wurde nicht übersetzt. Nun könnte man argumentieren, dass das Buch in England spielt und man Raven's Gate deshalb englisch beließ. Aber warum übersetzt man dann den Rest? Und vor allem: was hätte gegen "Das Tor des Raben" gesprochen? Ich persönlich finde diesen Titel viel interessanter, ansprechender und auch symbolischer.

„Todeskreis“ bietet Weltverschwörungs-Horror mit wenig Mystery. Die Hintergründe scheinen schnell durch und werden erfahrene Leser, die gerne miträtseln und zu entschlüsseln versuchen, nicht bei sich halten. Die Mittel der einzelnen Gruppierungen scheinen zudem oft unrealistisch. Kann man dies jedoch akzeptieren, so findet sich eine bekannte Geschichte die gut neu erzählt wurde. Angebracht ist ein Vergleich mit Fernsehserien wie Buffy, Angel und Co, ein wenig mehr auf Jugendliche zugeschnitten. Mit einer entsprechenden Erwartungshaltung wird man "Todeskreis" genießen können; Verfechter von "Realitätsnähe" oder Freunde des Miträtselns sollten jedoch Abstand nehmen.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


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