Buch-Cover, Sarah J. Maas: Das Reich der Sieben Höfe: Flammen und Finsternis

Das Reich der Sieben Höfe: Flammen und Finsternis

Originaltitel: A Court of Mist and Fury [AME]
Serie: Das Reich der Sieben Höfe (#2)
Übersetzer: Alexandra Ernst
Genre: Romantic Fantasy
Verlag: dtv
Seiten: 711
Erschienen: 09/2017 (Original: 2016)
ISBN: 978-3-423-76182-6
Preis: 29,95 Euro (Hardcover)
Schlagworte: FaeFamilie
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Kurz & Knapp
  • Ungewöhnliche romantische Verflechtungen
  • Pragamtische, aktive Heldin - mit Fesseln

Amarantha ist besiegt und die Fae sind wieder frei. Doch Feyre, nunmehr selbst eine High Fae, kann das Leben mit ihrem geliebten Tamlin am Frühlingshof kaum genießen. Nicht nur die formalen Hochzeitsvorbereitungen machen ihr zu schaffen, auch Tamlins Fürsorglichkeit schnürt sie ein. Immer steht ihre Sicherheit im Vordergrund, nichts kann sie tun, außer im Anwesen zu hocken. Und dann ist da auch noch der Pakt mit Rhysand, dem gefürchteten Lord des Nachthofes. Was Feyre sich einst wünschte, wird zu einem neuen Albtraum - und ausgerechnet der Hof der Albträume mit seinem Lord stellt sich als ganz anders heraus, als Feyre es vermutet hätte.

Das Buch erhält 9 von 10 Punkten.

Happy End? Von wegen: Feyre leidet bei ihrem selbst errungenen Ende nicht nur unter einem Trauma, sondern zunehmend auch unter der Überfürsorglichkeit Tamlins. Rhysand, schon im ersten Teil interessant, nimmt nun die größere Rolle ein, auf die ich hoffte - und Feyre bleibt entschlossen, selbst etwas zu tun.

Posttraumatischer Stress

Am Ende von Dornen und Rosen ist Feyre die Siegerin: Amarantha ist besiegt, der Fluch ist gebrochen und sie kann endlich mit ihrem geliebten Tamlin zusammen sein. Die Hochzeitsvorbereitungen und das Zusammenleben sind jedoch nicht ungetrübt: Sowohl Feyre als auch Tamlin leiden unter Albträumen, Erinnerungen an das Reich unter dem Berg. Und daran, dass Feyre Unschuldige getötet hat, um sich und Tamlin zu retten. Für sie gibt es dafür keine Entschuldigung.

Das private Klima am Frühlingshof ist dadurch sehr angespannt; von verliebter Eintracht ist kaum etwas zu spüren. Tamlins Verhalten verschärft die Situation weiter: Während er sein Reich in Ordnung bringt, darf Feyre das Anwesen nicht verlassen und ist dazu verdammt, nichts zu tun. Stoffe für die Hochzeit auswählen? Sitzordnungen? Das ist langweilig und unbedeutend und lässt sie auch mit ihren bedrückenden Erinnerungen allein. Letztlich ist es aber das Gefühl des Eingesperrtseins, das zur Katastrophe führt und die Handlung richtig in Gang setzt.

Aktivität und Passivität

Denn schon im ersten Roman begegnete Feyre dem Leser als pragmatische, aktive Protagonistin: Als ihre Familie verarmte, wurde sie zur Jägerin. Als Tamlin sie fortbrachte, kehrte sie selbstständig ins Reich der Fae zurück. Feyre ist es gewohnt, selbst anzupacken und sich nicht von anderen beschützen oder gar retten zu lassen, während sie selbst untätig auf einen Helden wartet. Daher möchte sie auch jetzt mithelfen.

Genau das verbietet Tamlin ihr jedoch, beraubt sie jeder Handlungsmöglichkeit durch die Anordnung, im Anwesen zu bleiben. Zusätzlich irritiert er sie durch tradierte Gesetze, die Feyre nicht nachvollziehen kann und nicht erklärt bekommt. Zunehmend fühlt sie sich daher als Gefangene - und wirft sich inmitten ihrer Selbstvorwürfe auch noch Undankbarkeit vor. Zunehmend wird ihr Leben unerträglicher, zumal Tamlin auch darauf besteht, Feyres neue Macht durch die Wiedererweckung als High Fae zu verleugnen, zu verbergen und geheim zu halten.

Jene Macht kann Feyre nicht kontrollieren und versteht sie auch nicht. Erst als Rhysand die Erfüllung des Paktes einfordert und Feyre an den Nachthof bringt, lernt sie mehr - und dies zieht sich über den größten Teil des Romans.

(Alb-) Traumreich

Rhysands Hof, der Hof der Nacht, ist im Reich der Fae gefürchtet. Daher hat auch Fae Vorbehalte gegen den grausamen Lord der Nacht, noch über den erzwungenen Pakt hinaus. Sehr schnell zeigt sich Feyre jedoch etwas ganz anderes, als sie erwartet hat. Sie kann sich nahezu frei bewegen (abgesehen von ihrer erzwungenen Anwesenheit); hierarchische Zwänge scheint es nicht zu geben. Und auch Dinge, die sie für die Fae als normal ansah, wie den ihr verhassten Zehnten, gibt es hier nicht.

Der Hof der Nacht zeigt sich nach und nach als keineswegs so grausam, wie alle Fae glauben. In mancher Hinsicht ist er fortschrittlich, meritokratisch und egalitär. Denn Rhysand hat eine große Vision, die zu schützen er bereit ist, vieles zu tun. So weiß niemand, was "Amaranthas Hure" in den Jahrzehnten ihrer Herrschaft wirklich getan hat - für sich selbst, für seinen Hof und letztlich für alle Fae.

Neue Macht und neue Bedrohung

Und es darf auch niemand wissen, denn Friede und Wohlstand werden jedoch bedroht: Rhysand erwartet einen neuen Krieg mit dem König von Hybern und deswegen kann der Hof der Nacht nicht nur der Hof der Träume sein, sondern muss zugleich der Hof der Albträume bleiben.

Wann dieser Angriff erfolgt, ist nur eine Frage der Zeit. Und Rhys hat einen ganz konkreten Grund, Feyre als Mitarbeiterin und echte Verbündete gewinnen zu wollen: Anscheinend hat Feyre etwas von der Macht aller High Lords geerbt. Mir gefiel die hilflose Feyre, die Menschenfrau inmitten übermächtiger, nahezu unsterblicher Fae, an deren Kraft und Fertigkeit sie nicht herankommt, aber trotzdem nicht aufgibt und es versucht.

Nun wird Feyre selbst mächtig - aber auch das gefällt mir, denn ihr fehlt die Kontrolle über ihre Macht. Eine Gefahr sehe ich darin, dass dies in die Richtung gehen kann, dass Feyre plötzlich alles kann und zu einer 1-Frau-Armee wird, der alles gelingt. Abwarten, denn in diesem Buch ist es nicht der Fall. Dazu tragen auch die anhaltenden Selbstzweifel bei - und die Frage, was Liebe eigentlich ist. Hat sie Tamlin geliebt? Ja. Liebt sie ihn noch? Ist er es wert?

Rhys hat indes zwei weitere Gründe, Feyre zur Mitarbeit zu gewinnen: Ein mächtiges Artefakt kann vielleicht nur von Feyre gefunden und zusammengesetzt werden. Denn etwas wie sie, jemanden, der als Sterbliche geboren und als High Fae wiedererweckt wurde, hat es bisher noch nicht gegeben werden. Da Teile dieses Artefakts von den Königinnen der Menschen versteckt werden, könnte Feyre zudem die ideale Diplomatin sein. Und dann ist da noch ein weiterer, geheimer Grund.

Neue Figuren und Beziehungen

Am Ende bleibt dies natürlich Romantic Fantasy. Gewisse Entwicklungen zwischen Rhysand und Feyre sind daher sicher nicht unvorhersehbar. Geradezu ungewöhnlich ist dabei, dass Rhysand eben nicht offen gegen Tamlin um Feyre kämpft, dass es keine klassische Dreiecksbeziehung gibt, in der zwei Männer um eine Frau kämpfen. Rhysand lässt Feyre Freiraum, statt sie einzusperren, einzuschränken, zu umgarnen oder zu beeinflussen - auch im starken Kontrast zu Tamlin, der noch weit mehr tut, um Feyre zu gewinnen. Allein hierfür finde ich dieses Buch hochinteressant: eine willkommene Erfrischung zur "Jagd" auf den romantischen Partner - auch wenn es hiervon gerade in der zweiten Hälfte Elemente gibt.

Auch viele Figuren aus der zweiten Reihe gefallen mir sehr gut: Rhysands innerer Kreis voller Individualismus; Feyres Schwestern; der junge, teils idealistische Lord des Sommerhofs, der dennoch nicht so ganz zu wissen scheint, wo er steht und was er von Rhys halten soll. Und auch Lucien, der in diesem Roman jedoch vergleichsweise kurz kommt. Erst am Ende deuten sich hier weitere Beziehungen - auch romantische - an. Eigentlich ist das untertrieben: Sie werden nicht angedeutet, sie werden explizit auf den Tisch gelegt. Ob etwas aus ihnen wird und was das ist, kann sich jedoch erst im nächsten Roman zeigen. Und auf den freue ich mich.

Flammen und Finsternis konnte mich mit einer aktiven Protagonistin exzellent unterhalten und verzichtet zudem auf die typische Ausprägung zweier Männer, die um eine Frau kämpfen.Einige andere Ideen, wie Rhys egalitäre Ideale machen die Geschichte ungewöhnlich - und gerade deshalb interessant, auch über die Schublade Romantic Fantasy hinaus. Eine echte Steigerung gegenüber dem ersten Teil!

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde zuletzt geändert am und ursprünglich veröffentlicht am .


Zitat(e) aus dem Buch

  • Nicht "sicher". Nicht "beschützt". Frei.

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