Fantasybücher mit Heilern

Äskulapsstab aus 7611 (Halb-) Edelsteinen von Claudia von Aponte

Wo es Krieger gibt, gibt es auch Heiler, seien es Feldscher, Priester, Magier oder Ärzte oder spezialisiertere Gelehrte. Bei Helden von Fantasy-Romanen ist dies meist eine Nebenfähigkeit. Weit häufiger ist es ein Nebencharakter, der über heilerische Fähigkeiten verfügt und den Helden oft auch mit anderem Rat zur Seite steht. Als Teil der Heldengruppe ist es oft ein Priester, weißer Magier oder naturnaher Charakter.

Bücher

Der Herr des Traumreichs

Der Herr des Traumreichs

Die Tochter der Himmelsscheibe

Die Tochter der Himmelsscheibe

Die Königsmacherin

Die Königsmacherin

Thronräuber

Thronräuber

Den Göttern versprochen

Den Göttern versprochen
Bücher sortieren nach:

Heiler als Helden

Jenseits moderner Arzt-Serien finden sich nur selten Heiler in Hauptrollen, auch wenn sie die Helden häufig genug zusammenflicken. In einem mittelalterähnlichen Setting kann aber von fast jedem wandernden Abenteurer erwartet werden, dass er sich zumindest grundlegend mit der Behandlung von Wunden auskennt. Denn immerhin geraten Helden regelmäßig in Kämpfe und Wunden sind häufig.

Handelt die Geschichte nicht von einem einzelnen Helden, sondern von einer Heldengruppe, nimmt oft ein Mitglied die Rolle eines Heilers ein. Die Bandbreite der Fähigkeiten kann dabei von Kräutern über Alchemie zu Medizin bis hin zu magischer oder göttlicher Macht reichen und sowohl Wunden, Gifte, Krankheiten oder auch psychosomagische (sic!) Leiden beheben. Einige Charaktere sind besonders häufig Heiler:

Erweitern könnte man dies mit generell allen naturverbundenen Figuren, die allein aufgrund ihrer Pflanzenkenntnisse nützliches Wissen um die Heilung haben. In vielen Fantasy-Welten sind Magie, Heilkräuter und alchemistische Tränke oft die einzigen Heilmittel. In historischen Romanen ist gelegentlich die Hauptfigur ein Heiler (z. B. Der Medicus) - die Geschichte ist dann um die Figur bzw. ihre Profession gestrickt.

Heiler als Helfer

Handelt es sich nicht um einen Arzt- oder Medicus-Roman, ist der Held eher selten ein Heiler, verfügt allenfalls als Teil seiner Ausbildung über einige Heilfertigkeit. Weit häufiger sucht der Held nach einer Verletzung auf einen Heiler. Diese sind je nach Setting sehr unterschiedlich: ein moderner Arzt in der Urban Fantasy oder die Kräuterfrau des mittelalterlichen Dorfes. Oft stehen Heiler auch mit anderem Rat zur Seite. Ihr Wissen und ihre Weltsicht hängen dabei zusätzlich vom Ort ab: Die Kräuterfrau verfügt über anderes Wissen als der Hofarzt. Wo der Held einen Heiler findet, sagt jedoch allenfalls etwas über die Mittel aus, die dieser benutzt, nicht zwangsläufig über dessen tatsächliche Fähigkeiten.

Setting (Zeit)

Der augenfälligsten Unterschied bei der Art der Heiler entsteht durch das Setting der Fantasy-Geschichte. Im typischen mittelalterlichen Setting trifft man auf alle der oben genannten Figuren: Priester, Hexen, Druiden usw. Diese definieren sich durch ihren Beruf, der die Heiltätigkeit einschließt. Oft sind diese Personen gerade dadurch suspekt, gleichzeitig geachtet und gefürchtet: Manch Kräuterfrau ist als Hexe verschrien. Denn natürlich heilt sie die Kranken - aber der Meier, der sie beleidigt hat, den hat sie verflucht. Und der Druide aus dem Nachbardorf hat zwar die Frau des Schulzen geheilt, aber den Schulzen dann die Krankheit geschickt als dieser nicht angemessen bezahlte. In solchen Fällen ist die Tätigkeit als Heiler eng verwoben mit dem Übernatürlichen. Die Bevölkerung versteht beides nicht und Vorstellungen vermischen sich. Heile in ländlichen und wilden Gegenden verfügen zudem über großes Wissen rund um die Natur in ihrem Umfeld. Sie sind meist Generalisten, die bei allen Arten von Verletzungen und Krankheiten helfen.

In Urban Fantasy, die in der modernen Zeit spielt, ist dies anders. Hier trifft man auf Ärzte, die in der Regel Spezialisten in einem einzelnen Fachbereich sind: Der Spezialist für Brandwunden mag bei einem Feuerball helfen; bei Knochenbrüchen oder Geburtsproblemen ist er jedoch so gut wie oder völlig nutzlos. Diese Spezialisierung geht auch in andere Wissensbereiche: Neben seinem medizinischen Spezialgebiet hat ein Arzt nicht zwangsläufig besondere Kenntnisse über andere Dinge, höchstens als Hobby. Er ist daher nicht zwangsweise ein besserer Ratgeber als andere; wenn es ums Übernatürliche geht, vielleicht sogar weniger, da er dies streng rational als Blödsinn ablehnt. Insgesamt verlor die Heilkunst in der Moderne das Mystische, Magische und Geheimnisvolle.

Setting (Ort)

Auch wo sich der Held aufhält, ist wichtig. Abseits zivilisierter Gegenden trifft er auf Einsiedler oder Dörfer. Hier finden sich eher naturnahe Heiler wie Kräuterfrauen, Druiden, Schamanen. Sie sind meist die einzige Person in weitem Umkreis, die sich mit Heilung auskennen. Daher verfügen sie meist über eher breite Fähigkeiten: Sie müssen alles behandeln, sei es Wunde oder Krankheit. Mit etwas Pech gibt es jedoch niemanden in der Gegend - und dann muss schon einmal der Schmied den schmerzenden Zahn ziehen ...

In zivilisierten, urbanen Gebieten wie verstädtertem Gebiet trifft man eher auf Spezialisten und formell gebildetere Heilkundige. Hier gibt es allgemeine Medici, Anatomen, Alchemisten und andere Spezialisten.

Heiler mit magischen oder göttlichen Gaben kann man prinzipiell an allen Orten finden, wobei dies stark von der genauen Ausprägung abhängt: Naturpriester findet man eher nicht in der Stadt; moderne Wicca-Hexen mit echter Heilmagie durchaus.

Heilkunst und Wissen

Die Heilkunst ist generell geschätzt: Jener sehnt sich nach einem Heiler, wenn er verletzt ist. Dabei werden die Fähigkeiten eines Heilers zwar auch im Zusammenhang mit Intelligenz gesehen, mehr noch aber mit Weisheit und Empathie. In jedem Fall ist das Heilen eine komplizierte Kunst, die vielen unverständlich ist. Das gilt umso mehr für ein mittelalterliches Setting, in dem es keine Medici, Hospitale oder ähnliche Einrichtungen gibt.

Hier liegt das Wissen oft bei Personen, die sich in der Natur auskennen und dadurch auch mit Heilkräutern: Kräuterweiber, Druiden, Schamanen, Waldläufer. Diese Personen sind meist auf die eine oder andere Art außerhalb der "zivilisierten" Gesellschaft und werden häufig mit dem Übernatürlichen und Mystischen in Verbindung gebracht. Das kann auch ins düstere Umschlagen und sei es durch haltlose Vorwürfe.

Das Wissen dieser Personen geht oft in den Bereich des Folkloristischen und Mythischen über. Vielfach wenden sie tradierte Mittel an, deren Überlieferung sie gleichzeitig hüten. Dabei kann es durchaus Unterschiede geben, ob die Mittel tatsächlich wirken oder (lokaler) Aberglaube sind. In der Regel kennen Sie ihre Dörfler und wissen genau, wie sie diese anpacken müssen. Auch für Geschichte und Gefahren ihres näheren Umfelds sind diese Heiler gute Quellen.

Schon städtische mittelalterliche Heiler sind anders. Hier trifft man eher auf Gelehrte, die bei einem Meister oder an einer Universität studiert haben. Sie sind spezialisiert und forschen mitunter selbst. Dabei folgen einige mystischen Ideen, andere wissenschaftlichen - und was funktioniert hängt wieder einmal von der konkreten Fantasy-Welt ab. Hieraus speist sich auch ihr Wissen: Magier und Priester können sicher im Bereich des Übernatürlichen helfen, ein wissenschaftlich orientierter Medicus eher nicht.

Moderne Ärzte der Urban Fantasy schließlich sind Spezialisten ihres Gebiets. Sie sind "entzaubert", rein wissenschaftlich, approbiert und geprüft. Ihnen haftet kein Geheimnis mehr an und sie sind nicht wahrscheinlicher dazu in der Lage, dem Helden bei Problemen außerhalb ihres Fachbereichs zu helfen, als andere. Häufig gibt es einige ins Übernatürliche eingeweihte Mediziner, die übernatürliche Wesen behandeln.

Das weitere Wissen eines Heilers sagt nichts über ihre Kompetenz aus: Unter allen Varianten gibt es Experten und Quacksalber, Fähige und Fehlgeleitete. Manche von ihnen Heilen aus Überzeugung, anderen hingegen liegt mehr an ihrer Geldbörse.

Heiler als Schurken

Heilkunst an sich wird normalerweise positiv konnotiert. Die stärkste Ausprägung findet sich wohl in den Heilkräften von Priestern oder Königen. Oft ist eine Figur beides gleichzeitig (Priesterkönig): König und Hohepriester eines Gottes mit besonderen Gaben. Die Heilkräfte sind hierbei ebenso gottgegeben wie ihr Recht zur Herrschaft. Gerade wegen dieser normalerweise strikt positiven Färbung wirkt ein Heiler besonders düster, der ins Böse verfällt.

Unethische Forschung

Das ist noch nicht der Fall, wenn der Heiler einfach teuer ist - vielleicht sind die Kosten durch teure Heilmittel oder Forschung gerechtfertigt. Aber schon ein übersteigerter Forschungsdrang kann einen Heiler auf ethisch fragwürdiges Gebiet führen. Dabei haben verschiedene Kulturen und Epochen durchaus unterschiedliche Ansätze: Für den einen mag bereits das Aufschneiden von Leichen zum Erkenntnisgewinn abgrundtief böse zu sein, gleichgültig, ob es andere retten kann. Tötet jemand Lebewesen oder setzt sie bewusst Krankheiten aus, um Heilmittel testen zu können, dürfte die Grenze zum Unethischen für fast jeden übertreten sein, selbst wenn ein wirksames Heilmittel in der Endbilanz mehr Leben rettet als vernichtet.

Missbrauch des Heilerwissens

Aber auch die unmittelbare Anwendung der Heilkunst lässt sich ins Düstere verkehren. Denn es gilt: Wer etwas heilen kann, kann es auch zerstören. Ein Anatom weiß, wie er Schmerzen bereitet, ohne zu töten. Das macht ihn zu einem exzellenten Folterknecht. Gepaart mit Sadismus wird er zu einem reinrassigen Schurken. Auch Alchemisten können schädigende Tränke brauen, die ihrem Opfer Schmerzen bereiten, es vergiften, aber am Leben lassen.

Heilung und zur Schädigung des menschlichen Körpers sind zwei Seiten einer Medaille. Mediziner rücken hier erneut in die Nähe zum düsteren Mystischen, aus dem sich auch die Angst vor der Kräuterfrau und ihre Verdammung als böse Hexe speiste: Der Unkundige versteht nicht, was der Heiler tut und sieht nur Heilung oder Schmerz. Der Vorwurf der absichtlichen Schädigung kann dabei schnell aufkommen, zumal man der betreffenden Person meist hilflos ausgeliefert ist.

Bekannte Heiler

  • Aragorn aus dem Herrn der Ringe verfügte über die heilenden Hände des Königs.
  • Asclepios: In griechischer und römischer Mythologie Begründer und Gott der Heilkunst; Vorbild für viele und Träger des Äskulapstabs.

Quellen und Verweise

  • Titelbild: Äskulapstab, Symbol der Heiler. Basiert auf der Aeskulapschlange von Claudia von Aponte (CC-BY-SA-2.0, via Wikimedia Commons) aus 7611 (Halb-) Edelsteinen. Bildbearbeitung von CFCF via Wikimedia Commons, CC-BY-SA-4.0
  • Medizin des Mittelalters (Wikipedia): Gibt einen Überblick über den Stand der Heilkunst, wie sie sich auch grob in vielen Fantasywerken findet.

Avatar von nico Artikel von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Dieses Schlagwort wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .

Grimoires.de auf Facebook
Grimoires.de auf GooglePlus
Grimoires.de auf Twitter
Zum Seitenanfang