Waffen
Im echten Leben sind Waffen Werkzeuge, die in die beste Form gebracht wurden, um ihren Job zu erledigen: das Töten des Feindes. Unterschiede entstanden durch verschiedene Gebrauchssituationen: Duell, Schlacht oder Zivilleben; zu Pferd oder zu Fuß; im Freien oder in beengten Bereichen. Hinzu kamen Einschränkungen durch verfügbare Ressourcen oder Technologie und individuelles Können. Die Fantasy nimmt auf all dies nur bedingt Rücksicht. Besonders in Filmen, aber auch in Büchern, spielen die einer Waffe zugeschriebenen Eigenschaften und ihr Aussehen eine größere Rolle als Realismus.
Inhalt
- 1 Bücher
- 2 Waffen-Design: Eindruck schlägt Realität
- 2.1 Magische Waffen
- 2.2 Legendäre Waffen
- 3 Beliebte Fantasy-Waffen
- 3.1 Schwerter
- 3.2 Dolche und Messer
- 3.3 Fechtwaffen
- 3.4 Äxte
- 3.5 Hämmer
- 3.6 Keulen
- 3.7 Streitkolben
- 3.8 Speere
- 3.9 Stäbe und Stangenwaffen
- 3.10 Bögen
- 3.11 Armbrüste
- 3.12 Wurfwaffen
- 3.13 Schwarzpulverwaffen
- 3.14 Andere Fernkampfwaffen
- 3.15 Schild
- 3.16 Peitschen
- 4 Realer Hintergrund
- 4.1 Einsatzzweck
- 4.2 Kosten und Verfügbarkeit
- 4.3 Weiterentwicklung
- 4.4 Video-Empfehlungen
- 5 Quellen und Verweise
Waffen-Design: Eindruck schlägt Realität
Fantasy-Waffen töten keine echten Lebewesen. Ihre Wirkung erreichen sie durch die Erzählkunst des Autors. Während manche Schriftsteller Wert legen auf historische Authentizität und tatsächliche Wirksamkeit von Waffen und Kampftechniken, ist dies für die meisten nebensächlich. Nicht zu Unrecht nehmen sie an, dass die meisten ihrer Leser keine Experten sind und Feinheiten gar nicht verstehen - für die Kenner sind diese im Zweifelsfall oft nur ein kleiner Bonus.
Dementsprechend sind die tatsächliche Anwendbarkeit und Praktikabilität von Waffen kein zentraler Punkt in Fantasy-Erzählungen. Ähnlich wie bei Kampfchoreographien von Hollywood, geht es um Unterhaltung und Verständlichkeit. Bei Waffen sind daher generelle Vorstellungen wichtiger als Fakten:
- Keulen und Äxte wirken brutal;
- Schwerter sind Standardwaffen und zeigen ggf. einen hohen Stand an;
- Dolche stehen für Agilität und Schnelligkeit;
- Degen und andere Fechtwaffen für Finesse und ein gewisses Dandy-tum.
Ergänzt werden diese allgemeinen Zuschreibungen oft durch besondere Ausfertigungen:
- Stacheln, womöglich schief, an einer Keule erhöhen ihr brutales Aussehen;
- ein Giftkanal oder Widerhaken an Dolchen zeigen besondere Heimtücke;
- und intrikate Ornamente und Schnörkel an einem Schwert lässt die Waffe wertvoller und "besser" erscheinen, so pragmatisch zwecklos diese oft sind.
Selbst realistische Fantasy zeigt diese Tendenzen. Inspirationen werden dabei zwar in historischen Vorbildern gesucht (bei denen es schon beträchtliche Unterschiede gibt), diese aber oft stark übertrieben. Das Aussehen der Waffe drückt hierbei auch den Charakter des Besitzers aus: Ein edler Ritter führt keine Stachelkeule sondern einen geschmiedeten, "glatten" Streitkolben!
Manche Autoren beschreiben (einige) Waffen sehr detailliert. Andere werden einfach als generische Waffe erwähnt, mit denen ein Leser bereits bestimmte Vorstellungen verbindet: Das Schwert ist eine Waffe der Edlen (oder der Standard); Magier tragen Stäbe und auch Mönche sind mit (nicht-tödlichen) Kampfstäben unterwegs, Diebe mit einen Dolch. Es sind oft die gleichen Waffen, die immer wieder auftauchen. Historisch verbreitete Waffen sind dabei mitunter erstaunlich abwesend: Speere findet man fast nur in der Hand eines Jägers - dabei ist der Speer vermutlich die verbreitetste historische Waffe überhaupt.
Fantasy unterscheidet zudem eher selten zwischen den unterschiedlichen Situationen in denen eine Waffe eingesetzt werden soll: im Duell, im Alltag, auf dem Schlachtfeld, womöglich in Formation - und gegen was für einen Feind? All dies macht eine Waffe sehr unterschiedlich wirksam. Und nicht zu vergessen: In der Fantasy gibt es auch verzauberte oder gesegnete Waffen, die zusätzliche Eigenschaften haben.
Oft bestehen Fantasy-Waffen aus besonderen Materialien, die eine Waffe aufwerten und besonders machen. Das kann generisch sein wie Valyrischer Stahl (Game of Thrones/Das Lied von Eis und Feuer, ein Fantasy-Äquivalent zu Damaszener Stahl) und einfach hohe Qualität abbilden; oder es kann sich spezifisch gegen bestimmte Feinde richten wie Waffen aus Eschenholz gegen Feenwesen. Siehe dazu auch: Fantasy-Materialien [später einfügen].
Fantasy-Waffen haben zudem die Tendenz, deutlich größer zu sein als ihr reales Vorbild: eine größere, schwerere Waffe wirkt mächtiger und kommuniziert, dass nicht jeder sie nutzen kann, nur starke, trainierte Krieger. Der Realität entspricht dies kaum (s. u.). Denn mehr als eine korrekte Abbildung der Realität geht es der Fantasy aber um Unterhaltung. Eine Waffe definiert ihren Träger visuell, insbesondere im Film: Sauron aus dem Herrn der Ringe erkennt man sofort als böse. Und auch der Hexenkönig von Angmar wird mit seinem riesigen Flegel perfekt charakterisiert: Böse, brutal, mächtig, rücksichtslos.
Magische Waffen
Neben "normalen" Waffen kennt die Fantasy auch eine Vielzahl verzauberter und magischer Waffen. Die Eigenschaften, die eine Waffe so bekommen kann sind geradezu unbegrenzt. Meist tragen sie entweder zu ihrem Schadenspotenzial oder erleichtern die Handhabung - manchmal verändern sich auch grundlegende Eigenschaften, nicht immer zum Positiven. So mag ein klassisches Flammenschwert gegen leicht brennbare Feinde (Mumien!) exzellent sein - gegen ein Feuerelementar zeigen sich hingegen gewisse Probleme.
Denkt man näher darüber nach, ergeben sich bei vielen magischen Waffen einige Probleme, die gerade in Humoristischer Fantasy oft auf die Schippe genommen werden: Ein Schwert das durch Leuchten vor Feinden warnt, ist nicht gerade hilfreich, wenn man sich verbergen will; gleiches Gilt für ein Singendes Schwert, das lauthals Schlachtlieder schmettert.
Siehe auch: Magische Waffen
Legendäre Waffen
Manche Waffen sind besonders, weil sie magisch sind. Manche Waffen sind besonders, weil sie durch außerordentliche Schmiedekunst geschaffen wurden oder einen berühmten Besitzer haben oder hatten.
In den meisten Fällen haben diese Waffen einen eigenen Namen. Häufig sind solchen Waffen magische oder heilige Eigenschaften zugeschrieben, egal ob sie diese tatsächlich besitzen oder nicht. Legendäre Waffen überlappen sich daher häufig mit magischen.
Allerdings gibt es auch Beispiele ohne offensichtliche Verzauberung: Von König Artus' Excalibur werden in der Regel keine besonderen magischen Eigenschaften berichtet; Narsil/Andúril aus dem Herrn der Ringe ist ebenfalls wegen seiner Geschichte und einer Prophezeiung berühmt, nicht wegen besonderer Magie.
Siehe auch: Legendäre Waffen
Beliebte Fantasy-Waffen
In der Fantasy tauchen immer wieder die gleichen Waggen-Arten auf. Häufig werden sie direkt mit einem bestimmten Figuren-Typ in Verbindung gebracht. (Das Schwert gehört zum Krieger; die Axt zum Wikinger-Äquivalent und zum Zwerg; der Bogen zum Elben.) Ebenso häufig werden den Waffen bestimmte Eigenschaften zugeschrieben, die letztlich auch ihren Besitzer charakterisieren. Das geht nicht immer mit der Realität einher: Speere sind im Vergleich zur Realität selten, am häufigsten noch bei Elfen und Jägern. Der Bogen hingegen gilt als Waffe, die Geschick und keine Kraft erfordert - was nicht den Tatsachen entspricht. Sucht man lange genug, findet man jedoch fast jede historische Waffe auch in der Fantasy wieder.
Schwerter

Sagen, Legenden und Fantasy kennen viele magische Schwerter und Zauberschwerter, die oft einen eigenen Namen tragen.
Dolche und Messer

In der Fantasy sind Dolche die typischen Waffen von Dieben, Rogues und ähnlichen Figuren, die auch gerne einen Dolch in jeder Hand nutzen. Die Betonung in ihrer Nutzung liegt auf Agilität, Geschwindigkeit und Präzision - die real vorhandenen Probleme mit der Reichweite, die Dolche als Primärwaffe eher ungeeignet machen, ignoriert die Fantasy meist.
Auch als nicht für den Kampf gedachte Ritualwaffe spielen Dolche oft eine Rolle. Hier tauchen besonders der Kris, Obsidiandolche oder Athames (Ritualdolche) auf.
Fechtwaffen

Häufig findet man Fechtwaffen wie Degen oder Rapier bei Fantasy-Schurken und gesellschaftlich Hochgestellten und Adeligen. In Kontrast zu brachialeren Waffen, insbesondere solchen, die von barbarischen oder primitiveren Figuren geführt werden wirken sie gelegentlich (zu unrecht) weibisch und schwach aber eben auch feiner, zivilisierter und intelligenter.
Äxte

Bei bösen Wesen kommen oft Widerhaken und andere "Verzierungen" hinzu. Nicht zu vergessen: Eine Axt ist ursprünglich ein Werkzeug und taucht daher auch bei Bauern, Bürgermilizen oder Holzfällern auf.
Hämmer

Keulen

Trotzdem: Fantasy-Keulen werden meist von barbarischen Völkern eingesetzt, insbesondere bösen und als wenig intelligent oder zivilisiert geltenden: Orks und besonders Oger, sowie Riesen u. ä.. Oft sind Keulen böser Völker mit Stacheln und ähnlichem besetzt - und übermäßig groß.
Streitkolben

Speere

Als Sonderformen gibt es die Lanze, die man vor allem von Berittenen und bei Turnieren kennt. Sie ist im Wesentlichen eine einmalige Waffe beim Anritt. Besonders (aber fast exklusiv) aus Gladiatorenkämpfen kennt man zudem noch den Dreizack des Retiarius' - praktisch allerdings eher eine Notwaffe, wenn der Bauer zur Mistgabel greift.
Stäbe und Stangenwaffen

Bei Abenteurern oder Helden trifft man sie selten – sie sind auf Reisen sehr unhandlich. Häufig sieht man sie bei (Stadt-)Wächtern. Auf dem Schlachtfeld sind Formationen mit Stangenwaffen meist effektiv: Nicht umsonst hielt sich die Phalanx der Antike sehr lange. In der erzählenden Darstellung sind gerade solche Formationen aber selten und eher langweilig. Denn hier hat der einzelne Held keinen Platz und taucht daher eher an anderer Stelle auf. Ein Sonderfall sind die Lanzen der Ritter. Auch zum Krieg umfunktionierte Erntewerkzeuge wie Flegel und Sense sind Stangenwaffen.
Bögen

Durch Schlachten wie Agincourt, Helden wie Robin Hood und die englischen Langbogenschützen umgibt den Bogen mitunter ein gewisser Mythos. Insgesamt ist der Bogen eine Standard-Fernkampfwaffe der Fantasy, die in ebenso vielen Varianten existiert wie in der Realität, jedoch selten tief betrachtet wird.
Armbrüste

Unter den Fantasy-Rassen nutzen Rassen mit einer Affinität zu Mechanik und Handwerk häufig Armbrüste - im Fall von Zwergen und Gnomen entfällt hier auch das Größenproblem.
Wurfwaffen
Wurfwaffen sind seltenst die einzige Waffe oder Hauptwaffe einer Figur; eher sind sie eine zusätzliche Bewaffnung. Einige der bereits erwähnten Waffen, wie Schwerter, sind als Wurfwaffen quasi untauglich. Messer, Speere und Äxte sowie kleinere Hämmer können jedoch jederzeit zum Wurfgeschoss werden. Manche dieser Waffen werden gezielt für den Wurf hergestellt und sind dadurch besser zum Werfen geeignet. Auffällig abwesend sind in der Fantasy Wurfpfeile. Wurfmesser tauchen insbesondere bei Dieben und agilen Kämpfern auf; Wurfäxte bei Zwergen und Wikingern. Als exotische Waffen gibt es selten den Diskus oder einen Chakram.
Schwarzpulverwaffen

Lange Zeit galt hingegen für viele, dass Fantasy in einer Zeit vor Waffen wie Pistolen, Gewehren oder gar Kanonen spielte. Bögen, Armbrüste und Co waren ok, Schwarzpulver-Waffen hingegen verließen langsam das Gebiet der Fantasy. Dies kann mit der höheren Technologiestufe begründet werden: Auch historisch waren solche Waffen ein Gamechanger - sie konnten ohne große Ausbildung effektiv von vielen genutzt werden. In der (mittelalterähnlichen) Fantasy sind solche Waffen daher meist selten, kompliziert herzustellen, nicht vollständig entwickelt, mit hoher Ladezeit verbunden und fehleranfällig.
Andere Fernkampfwaffen
Andere Fernkampfwaffen treten eher selten auf. Mit Halblingen oder Hobbits verbindet man häufig noch die Schleuder oder direkt geworfene Steine. Diese Waffen sollte man nicht unterschätzen: Der biblische David besiegte Goliath mit einer Schleuder - und ohne Gottessegen lässt sich dies auch als technologische Überlegenheit deuten. Auf den Schlachtfeldern und Schiffen kennt man seit der Antike diverse Torsionswaffen, die große Projektile ("Riesenpfeile" oder Steine) schießen. Für den persönlichen Gebrauch sind diese Geschütze aber zu unhandlich - und allenfalls zur Drachenjagd tauglich.
Schild

Unter den Schilden gibt es sehr viele verschiedene Arten, die jeweils ihrem Zweck angepasst sind, von einem handlichen Faustschild fürs Duell bis hin zu übermanngroßen Pavesen, die Armbruster an passender Stelle im Boden verankern.
Peitschen

Peitschen werden tendenziell als nicht tödlich dargestellt. Sie sind eher selten und machen den Charakter schon dadurch besonders. In der Regel ist dies eine eher geschickte als starke Figur.
Realer Hintergrund
Sowohl Film als auch Buch machen starke Abstriche im Hinblick auf die Wirklichkeitstreue was Waffen angeht. Gleiches gilt im Weiteren auch für Kampftechniken. Die Begründung ist meist: Die Werke sollen unterhalten, die Figur charakterisieren. Manchmal auch einfach nur cool aussehen. Dabei lassen sich viele Werke von historischen Waffen inspirieren; diese bilden jedoch nur eine Grundlage, die hinter den Anforderungen des Mediums (unterhalten, charakterisieren) zurückfallen).
Im Laufe der Zeit haben sich so Konventionen etabliert, die in der Realität nie existierten. Ein Beispiel: Historische Samurai haben Schwarzpulverwaffen keineswegs als unehrenhaft abgelehnt - sie waren vielmehr die ersten, die sie nutzten!
Abstrakt gesprochen geht die historische Nutzung von Waffen auf einige Kernpunkte zurück. Wesentlich waren vor allem:
- Einsatzzweck
- Verfügbarkeit (inklusive Kosten) & Nutzbarkeit
- Adaptierbarkeit & (Multi-) Funktionalität
Denn keine Waffe entstand in einem Vakuum. Jede Waffe wurde dadurch beeinflusst, wie und gegen was/wen und in welcher Situation sie eingesetzt werden wollte. Dies führt zu sehr unterschiedlichen Schwertern, die aber immer noch Schwerter sind, aber für das eine oder andere besser geeignet. Umgekehrt gibt es nicht nur Schwerter, sondern auch andere Waffen, da sie in anderen Situationen schlicht „besser“ sind.
Einsatzzweck
Im Idealfall wusste man genau, mit welchem Gegner man es zu tun hatte. Dann konnte man die Bewaffnung (und auch die eigene Rüstung) genau auf ihn einstellen: Trug er schwere Vollrüstung? Dann sind Schwerter vermutlich nicht die beste Wahl; Hiebwaffen wie Keulen oder Streitkolben sind eher geeignet, auf Vollpanzerung Wirkung zu erzielen.
Meist war aber nicht vorhersehbar, wann genau man zu einer Waffe würde greifen müssen. Im Zivilleben gestaltet es sich zudem äußerst schlecht, bestimmte Waffen mitzunehmen, sofern es überhaupt erlaubt war: Auch ein Ritter kann schlecht mit einer Lanze durchs Dorf gehen. Nicht nur, weil es schwer wäre, sich mit dieser zu bewegen, sondern auch weil es sich einfach nicht gehörte. Dies ist ein Grund für die Verbreitung von Schwertern: Sie sind vergleichsweise einfach zu tragen, relativ unauffällig und außerdem versatil einsetzbar. Allerdings sind Schwerter vergleichsweise teuer - und auf dem Schlachtfeld nicht so nützlich, wie oft dargestellt.
Auf diesem Schlachtfeld war umgekehrt natürlich klar, dass es zu einem Konflikt kommen würde. Hier ging man entsprechend anders gerüstet. Man hatte es zudem nicht mit einem einzelnen Gegner zu tun. In einem Duell waren die Waffen of stark formalisiert und vorgegeben. In der Schlacht sah man sich hingegen vielen Feinden gegenüber. Nur den ersten zu töten oder zu besiegen, genügte nicht. Man musste vielmehr lange Zeit kämpfen können, womöglich auch gegen verschieden ausgerüstete Feinde – zudem in der Regel in Formation und nicht in fortlaufenden Einzelkämpfen, was ganz andere Dinge wichtiger macht.
Viele moderne Rollenspiele, die nicht jeden Schaden gleich behandeln, die wesentlichen Schadensarten relativ gut (wenngleich vereinfacht) abgebildet:
- Durchdringende/durchbohrende Waffen („pierce/stab/thrust damage“), die Rüstungen an kleinen Stellen gezielt durchdringen und eventuell lebenswichtige Organe treffen können. Sie bleiben allerdings gerne in Wunden stecken und haben keine sofortige Stoppwirkung.
- Schneidende Waffen („cutting/slashing damage“), die zu längeren, schnell schwächenden Wunden führen, aber kaum beim ersten Treffer töten.
- Stumpfe Waffen („crushing/blunt damage“), die gerade gegen Rüstung Vorteile bietet an denen schneidende Waffen abgleiten würden.
Die meisten Waffen lassen sich sehr klar einer dieser Arten zuordnen, wobei spezialisierte Kriegswaffen einen primären Einsatz haben, aber Alternativen bieten. Die meisten Schwerter sind z. B. zum Stoßen ODER zum Schneiden gemacht, selten für beides in gleichem Maße. Gegen schwer gerüstete Gegner wurde zudem die Schneide gegriffen (mit entsprechender eigener Rüstung) und mit dem stumpfen Griff zugeschlagen. Auch der Reichweite von Waffen kommt Bedeutung zu.
Kosten und Verfügbarkeit
Verfügbarkeit und Nutzbarkeit sind ein weiterer Faktor: Speere und Keulen sind die klaren Sieger bei Kosten und Herstellungsmöglichkeit: Sie sind billig und brauchen kaum Ressourcen. Und die Nutzung ist extrem einfach: Der Feind wird geschlagen oder mit ihnen gestochen. Die Grundlagen sind extrem einfach.
Ähnlich lassen sich manche Werkzeuge schnell zu Waffen umfunktioniert. Sie sind nicht für den Kampf geschaffen, aber ihre Nutzer (oft Handwerker) kennen sie gut und haben dadurch einen gewissen Vorteil. Kriegsäxte, Kriegshämmer, Kriegssensen usw. entwickelten sich aus diesen Werkzeugen und sind dem Kampfzweck angepasst. Diese Kampf-Versionen von Werkzeugen sind kleiner und leichter, agiler als die primären Werkzeuge – und als die Darstellungen in Fantasy und insbesondere Anime.
Die Verfügbarkeit der Materialien spielt in der Fantasy meist nur bei besonderen (oft magischen) Waffen eine Rolle. In der Realität konnten sie die gesamte Einstellung zur Waffenherstellung entscheidend prägen: Japanische Schwerter wurden (auch) deshalb gefaltet, weil das vorhanden Rohmaterial dies erforderte. Ohne dieses wären die resultierenden Klingen nicht stark genug gewesen.
Realhistorisch dürften Speere und ähnliche Waffen lange die verbreitetste Waffe schlechthin gewesen zu sein. Nicht nur sind sie einfach einsetzbar, die Materialien sind überall verfügbar: In der einfachsten Form ist ein Speer einfach ein langer, angespitzter Stock. Gerade in Massen, also für Armeen auf dem Schlachtfeld, sind lange Spieße zudem außerordentlich effektiv.
Weiterentwicklung
Waffen entwickelten sich zudem stetig weiter. Söldner, Krieger und andere, die dauerhaft mit ihnen umgehen, passen sie an ihre Bedürfnisse an. Bei realen Waffen ging es vor allem um Funktionalität (und ums Überleben!), nicht um die Ästhetik wie in der Fantasy. Die Ausnahme hierzu sind Zeremonialwaffen: Sie sind tatsächlich geschaffen um Eindruck zu schinden. Im Endeffekt sind sie dadurch keine „echten“ Waffen wie auch das Henkersschwert eher ein Werkzeug ist.
Kriegswaffen waren und sind von lebenswichtigem Pragmatismus geprägt – denn genau ums Überleben geht es im Zweifelsfall. Aus diesem Grund sind viele Waffen auch deutlich kleiner als ihre Werkzeug-Äquivalente: Eine Holzfäller-Axt kann groß sein – Bäume stehen still und schlagen nicht zurück. Menschliche Gegner weichen aber aus und greifen ihrerseits an. Ein einziger mächtiger Hieb mit einer großen, schweren Waffe, kann zwar beeindruckend und tödlich sein – aber er erlaubt auch einen Gegenangriff. Dabei hat man es dann selbst schwer, eine große Waffe in Abwehrhaltung zu bringen oder den Angriff anderweitig zu stoppen. Daher sind agilere, schnellere Waffen nahezu immer im Vorteil gegenüber größeren und schwereren (mit gleicher Reichweite). Kleinere Waffen können die gesamte Kraft zudem häufig auf den Treffpunkt legen während sie sich bei größeren ineffizient verteilt. Im Grunde gilt dies selbst für große Zweihandschwerter, die viel leichter und schneller sind, als meist angenommen. Diese sind insofern speziell als dass sie wie Piken und andere Stangenwaffen für spezielle Situationen geschaffen sind.
Fragt man, ob eine Fantasy-Waffe realistisch ist, kann man jedoch meist mehrere Fragen stellen: "Könnte man das?" wird man oft mit ja beantworten. "Würde man das wollen?" erhält jedoch viel öfter ein Nein, denn es gibt meist sinnvollere Varianten aus einem oder mehreren genannter Gründe.
Video-Empfehlungen
Zur Handhabung von mittelalterlichen oder älteren Waffen gibt es große Communities. Z. B. über im LARP (Live Action Role-Playing Game), im Historischen Re-Enactment oder bei HEMA (Historical European Martial Arts – historische europäische Kampfkunst). Auf YouTube gibt es zahlreiche Videos, die Waffen aus verschiedenen Perspektiven betrachten, sei es als Historiker, als Fantasy-Fan, als Autor oder als Filmmacher – im Hinblick auf Realismus, Adaption oder unter ganz anderen Gesichtspunkten. Einige Empfehlungen (meist auf Englisch):
- Shadiversity Fantasy Re-Armed: eine Serie, die sich fragt, welche mittelalterliche Waffe von welcher Fantasy-Rasse tatsächlich pragmatisch benutzt würde und im Weiteren auch auf andere Anwendungen von Waffen eingeht.
- Shadiversity auch darüber hinaus mit vielen Bewertungen/Meinungen zu (kaufbaren) Waffen, Burgen, Rollenspielen in historischen und kreativem Kontext
- Schola Gladiatoria beschäftigt sich mit Waffen und Kampfkunst aus vielen Perioden mit viel Kontext.
- Lindy Beige hat inzwischen viele Videos zu modernem Krieg (insbes. Panzer), insbesondere unter „Weapons und Armour“ aber auch Betrachtungen von Mittelalter- und Renaissance-Waffen.
- Tods Workshop beschäftigt sich mit der Reproduktion von alten Waffen, stellt diese und Tests in Videos dar.
- Einzelvideo: Wie realistisch sind mittelalterliche Waffen in 11 Filmen?
Quellen und Verweise
- Titelbild: Ausstellung von Kopien mittelalterlicher Waffen, Foto von Szilas, via Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.
- Bild Schwert: Glamdring, Gandalfs Schwert aus den Herr der Ringe-Filmen; von Rama via Wikimedia Commons; CC-BY-SA-3.0-FR
- Bild Dolch: Ein Ballock Knife, ca. 1450-1500, Foto des Metropolitan Museum of Art via Wikimedia Commons, CC-Zero (Open Access Policy)
- Bild Fechtwaffen: Degen aus dem 19. Jahrhundert aus den Livrustkammaren, den Rüstkammern im Schloss von Stockholm (Schweden). Bild von Göran Schmidt via Wikimedia Commons, CC-BY-SA.
- Bild Äxte: Enterbeil (ca. 1833-1955) der Manufacture d'armes de Châtellerault, heute in den Collections of Musée national de la Marine de Paris: 33 AR 29.2. Foto von Rama. via Wikimedia Commons, CC-BY-SA-3.0-FR.
- Bild Hämmer: Polischer oder Ungarischer Kriesg- oder Streithammer („Nadziak“) aus dem 17. Jahrhundert, heute in der Wallace Collection, Bild via Wikimedia Commons,CC BY-SA 4.0.
- Bild Keulen: Antike Keule mit Metallstacheln, heute in Schloss Oranienburg. Bild von Thomas Quine, via Wikimedia Commons, CC-BY-2.0.
- Bild Streitkolben: Streitkolben ausgestellt im Morges Military Museum, Bild von Rama, via Wikimedia Commons, CC-BY-SA-2.0-fr.
- Bild Speere: Ein Stoß- und mehrere Wurfspeere. Reproduktionen. Von Master z0n, via Wikimedia Commons, CC-BY-SA-3.0
- Bild Stangenwaffen: Pike eines Marineoffiziers, heute im Musée national de la Marine MnM 33 AR 13, Foto von Rama via Wikimedia Commons, CC-BY-SA-3.0-FR
- Bild Bogen: Einfacher Bogen von Getüm via Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 DE.
- Bild Armbrust: Deutsche Stahlarmbrust - spätes 16. Jahrhundert; heute in den Livrustkammaren (Stockholm), Foto von Jens Mohr, via Wikimedia Commons, CC BY-SA.
- Bild Schwarzpulverwaffen: Eine 1676 für Charles XI von Schweden gefertigte Steinschlosspistole, heute im Metropolitan Museum of Art, Acc No 1990.114.2, via Wikimedia Commons, CC-Zero.
- Bild Schilde: Verschiedene Schilde in einem Schildwall von Laiendarstellern bei einem Mittelalterfest im Tierpark Arche Warder, Foto von Siegbert Brey, via Wikimedia Commons, CC-BY-SA-4.0.
- Bild Peitschen: (Bullen-)Peitsche im "Indiana Jones"-Stil, Bild von puuikibeach, via Wikimedia Commons, CC BY 2.0.
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.
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