Buch-Cover, Mara Volkers: Die Braut des Magiers

Die Braut des Magiers

Genre: Historische Fantasy
Verlag: Piper
Seiten: 448
Erschienen: 11/2018 (Original: 2007)
ISBN: 978-3-492-50200-9
Preis: 19,99 Euro (Softcover)
Wertung:  
Grimoires.de    
Wertung: 4/5 Grimoires; 8/10 Punkte, Gut bis sehr gut

8/10

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Kurz & Knapp

  • Deutlich anderes Feeling als Standard-Fantasy
  • Historisches & Fantastisches eher dezent
  • Vergleichsweise langsamer Roman

Nürnberg im 16. Jahrhundert: Der Gelehrte Gaudentius und sein Freund Magister Alban sind verzweifelt, denn beide wurden durch den Magier Cajetan verflucht. Alban gleicht einer Bestie und Gaudentius altert weit über seine Jahre hinaus. Ihre Hoffnung liegt darin, eine Jungfrau mit magischer Gabe zu finden, doch Magiebegabte sind selten geworden. Doch sie finden Gisela - und kaufen sie ihrem Vater regelrecht als Braut ab. Jene Gisela ist entsetzt: Nicht nur wird sie einfach verschachert, sondern auch noch an eine Bestie - und zudem soll sie auch noch unchristliche Magie lernen?! Dabei weiß sie noch nicht um ihre Kräfte - und ahnt nicht, dass Cajetan auch auf sie aufmerksam geworden ist und ihre Seele für sein eigenes Leben zur Hölle schicken will.

Das Buch erhält 8+ von 10 Punkten.

Die Braut des Magiers bietet Fantasy vor historischem Hintergrund. Ungewöhnliche Fantasy zudem: Einerseits ist Magie zentral, andererseits sehr gering ausgeprägt und mit eher subtilem Einfluss. Gleiches gilt für das historische Setting zwischen Kaufleuten und Adel des bayrischen 16. Jahrhunderts. Für mich gaben langsame Enthüllungen, die ich immer kurz vorher realisierte, zusätzliche Spannung. Allerdings bleibt dies ein eher langsamer Roman, der zwischenzeitlich etwas schneller hätte sein dürfen.

Gekaufte Braut

Die Braut des Magiers ist eine gekaufte Braut: Der Vater ist pleite und Geld willkommen. Das hat wenig Romantisches, sehr wohl aber Pragmatisches und setzt gleich zu Beginn den Ton für diesen Roman. Die magischen Elemente sind vergleichsweise gering; auch Action und Kämpfe findet man hier nicht, sondern vielmehr ruhige Fantasy vor historischem Hintergrund.

Die ökonomische Realität und ihre Zwänge bilden nur den Rahmen und ist wie der historische Hintergrund mehr Kulisse als integraler Bestandteil. So ist Giselas Bruder Hans ein rechter Hurenbock, der auf seinen Status pocht und Geld ausgibt, das gar nicht da ist.

Gleichzeitig hat das Setup aber einen märchenhaften Touch und erinnert an Die Schöne und das Biest. Trotz mancher Parallelen ist der Ablauf jedoch deutlich anders: Mehr Interaktion mit der Außenwelt, ein realistischeres Zusammenleben und ein direkter Feind.

Magie ist (kein) Teufelswerk

Jener Feind ist der Magier Cajetan, der von Beginn an ganz eindeutig dem Bösen zugeordnet wird. Seit Jahrhunderten paktiert er mit der Hölle und opfert magisch Begabte um sein eigenes Leben zu verlängern.

Vor eben jener Magie hat Gisela Angst, um so mehr da sie sie selbst erlernen soll. Denn Gisela ist überzeugte Christin und hält alle Magie für die Macht des Teufels. Damit gerät sie früh in einen moralischen Zwiespalt: Sie muss einerseits ihrem (ungewollten) Mann gehorchen, andererseits würde genau das sie ebenfalls zur Hölle verdammen.

Jedoch stellt sie fest, dass Magie nicht zwangsweise Böse ist. Allerdings ist ihr Lehrer bei der Wahl seiner Methoden nicht wirklich glücklich: Gaudentius setzt auf Bücherwissen; eben jene Bücher, mit denen er selbst die Kunst lernte. Dabei spart er nicht damit, über die mangelnde Intelligenz und Eignung der Weiber zu maulen - und übersieht Giselas ausgeprägte Intuition, die viel schneller und fast von selbst zum Ziel führen könnte.

Jene Intuition lässt Gisela nicht nur Cajetans Werk erkennen, sondern auch eine Verbündete finden, die über den Magier bescheid weiß. Und mit ihrer Empathie gewinnt sie das Vertrauen der Bärenhündin Dagga, die quasi der heimliche Star dieses Romans ist. Kritisieren mag man hier, dass Giselas Intuition ihr immer zum rechten Zeitpunkt die Lösung aufzeigt.

Motivationen und Enthüllungen

Aber jenes magische Talent und eben jenes Intuitive ist eben auch das, was Gisela zur Fluchbrecherin machen könnte. Sie steht im Zentrum und taucht nicht ein Mal auf, sondern immer wieder. Lediglich das Finale ist mir ein wenig zu stark aufgelegt - und mit Epilogen zu jeder einzelnen Figur zwar für manche Neugier befriedigend, aber auch recht gezogen.

Bis dahin gibt es aber einige Schwierigkeiten. Die beginnen damit, dass es nicht mehr viele magische Begabte gibt, da diese seit Jahrtausenden von Cajetan geopfert werden. Aber dadurch hat Cajetan auch eine Motivation, seine Feinde nicht einfach zu vernichten: Er braucht sie.

Im Laufe der Geschichte werden dabei schrittweise weitere Details enthüllt. Gleich zu Beginn wird der Homunkulus des Magiers vorgestellt, der aber schon hier nicht so recht wie ein Homunkulus wirkt. So wird früh nahegelegt, dass hier etwas nicht ganz stimmt und mehr dahinter stecken könnte - und es natürlich auch tut.

Ähnlich verfährt die Autorin mit anderen Geheimnissen und Verbindungen. Dabei gelingt ihr ein ausgesprochen gutes Timing: Sie spricht Dinge explizit aus, aber kurz zuvor hatte der Leser bereits Chancen, dies für sich zu begreifen - und noch früher zu vermuten. Das führt zu einer insgesamt sehr runden Handlung, in der Erklärungen mit einem einzigen Nebensatz ausreichen. Auch dass Gisela schließlich etwas findet, das den Feind besiegen kann, nehme ich hin: Ihre Intuition führt sie dazu - und diese steht ohnehin im Zentrum.

Historische Kulisse

Wie schon erwähnt, spielt dies nicht in einer Fantasywelt, sondern im Bayern des 16. Jahrhunderts. Es gibt viele allgemeine Einstellungen der Zeit: Scheu vor Schwarzer Magie und Dämonen; der soziale Aufstieg der Kaufmannschaft; die Probleme von Rittern und Bauern; das Christentum, die Moral, Zweckehen als Normalität.

Aber all dies bleibt Hintergrund, geht nicht in die Tiefe und ist für die Geschichte eigentlich nicht notwendig. Mara Volkers erzeugt mit den sozialen Gewohnheiten aber ein ganz anderes Feeling zu vermitteln als die typische Fantasywelt - und auch das hebt diesen Roman von anderen ab.

So wie er nur leicht historisch ist, halten sich auch die Fantasyelemente in Grenzen: keine Drachen, keine Action. Diener des Teufels gibt es, aber auch sie agieren eher machtpolitisch und intrigant statt effekthascherisch. Das spiegelt sich auch in der langsamen, gemächlichen Handlung.

Typisch Fantasy ist die sehr klare Polarisierung in Gut und Böse - wobei Männer insgesamt schlecht wegkommen. Sie haben die Macht; sie nutzen die Macht aus; Frauen sollen gehorchen; Vergewaltigung ist quasi normal. Frauen (und eine Hündin) hingegen bringen die Rettung. Einziger männlicher Lichtblick ist Vater Maternus, der jedoch vergleichsweise machtlos scheint. Die Ambivalenz in einigen Figuren wird dabei kaum thematisiert - auch weil diese gar nicht so tief ergründet werden.

Die Braut des Magiers ist gelungene Abwechslung von Standard-Fantasy mit dezentem historischem Hintergrund und grob bekannter Handlung. Nicht auf ihre Kosten kommt, wer actionreiche Fantasy mit magischen Schlachten und Kämpfen sucht. Gemächlichere Leser sollten aber durchaus einen Blick in die Leseprobe wagen.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

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