Buch-Cover, Andreas Arnold: Fionrirs Reise

Fionrirs Reise

Serie: Fionrirs Reise (#1)
Illustrator: Norman Heiskel
Genre: Kinderbuch oder Jugendbuch
Seiten: 331
Erschienen: 02/2017 (Original: 2017)
ISBN: 978-3-945532-10-2
Preis: 12,90 Euro (Softcover)
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Grimoires.de    
Wertung: 3/5 Grimoires; 7/10 Punkte, Gut

7/10

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Kurz & Knapp

  • Drachen zu Beginn leicht irritierend
  • In Teilen vorhersehbar - aber auch mit über 30 spannend

Fionrir ist ein junger Drache. Genauer gesagt: ein feuerspeiender Bergdrache. Und bald ist sein siebter Geburtstag! Darauf freut er sich ganz besonders: Denn für einen Drachen bedeutet das, erwachsen zu sein. Sein Geburtstagsgeschenk verwirrt ihn jedoch: eine Menschenprinzessin zum Fressen. Fio beschließt, Prinzessin Quirina stattdessen wieder nach Hause zu bringen – heimlich und allein. Was einfach klingt, wird schnell zu einem Abenteuer mit Wilderern, Piraten, Wölfen, windigen Händlern und sogar Drachenjägern.

Das Buch erhält 7 von 10 Punkten.

Fionrirs Reise ist ein Kinderbuch. Dementsprechend gestaltet sind die sprachlichen und inhaltlichen Ansprüche. Autor und Verlag geben als Selbstlesealter etwa 8-10 Jahre an. Ich würde eher zum oberen Wert tendieren, wobei natürlich die Option des Vorlesens bleibt. Und wenngleich der Ausgang der Abenteuer vorhersehbar ist: Spaß gemacht hat mir die Lektüre auch mit über 30!

Anfängliche Irritationen: Ungewöhnliche Drachen

Jeder hat vorab ein eigenes Bild von einem Drachen. Ein gemeinsamer Nenner dürfte eine meist feuerspuckende, meist fliegende und in Höhlen wohnende, ziemlich große Echse sein. Das passt soweit auch hier, aber die Drachen irritierten mich zu Beginn: Sie leben mit Menschen in ihrer Höhle. Das war für mich einfach zu akzeptieren. Aber die Drachen haben auch einen Esstisch, einen Spieß mit Bratgut, Teller und Ähnliches - das fand ich seltsam. Vermutlich soll das junge Zielpublikum (ab 8 Jahre) durch diese Ähnlichkeit mit Menschen direkter in die Geschichte hineinfinden. Ich wunderte mich hingegen zu nächst, was für seltsame Drachen und was für ein seltsames Buch dies ist. Denn zu meinem Bild von Drachen passte dies gar nicht.

Aber dieses Gefühl legte sich nach wenigen Seiten. Im Folgenden sind die Drachen vergleichsweise menschenähnlich, setzen ihre Klauen wie Hände ein und nutzen auch sonst allerlei menschenähnliche Dinge. Das passt für mich. Denn wenngleich die Drachen eher klein sind (irgendwo zwischen Pferd und Elefant), kann ich das akzeptieren: Schon im Mittelalter kommen Drachen in der Größe von Hunden bis zu wirklich gewaltigen Monstern auf Illuminationen vor und nicht nur gewaltig große Feuerspeier.

Apropos Illuminationen, also Buchmalerei: Großartig ergänzt wird die Geschichte durch Schwarz-Weiß-Zeichnungen von Norman Heiskel, der die Situation des gerade vorangehenden Kapitels extrem gut einfängt.

Abenteuerreise mit Selbstfindung

Im Kern ist Fionrirs Reise eine Entdeckungs- und Abenteuerreise eines jungen Drachen, der bislang kaum etwas von der Welt gesehen hat und eigentlich gar nicht allein unterwegs sein sollte. Immerhin ist er ein Drache mit dem Herz am rechten Fleck. Daher ist es für ihn selbstverständlich, die Prinzessin nach Hause zu bringen.

Das folgende Abenteuer ist klassisch: Auf dem Weg trifft Fionrir verschiedene Personen, die es nicht immer gut mit ihm meinen. Er wird von Quirina getrennt und folgt ihr, findet dabei neue Freunde durch Mensch und Tier und selbst in scheinbaren Feinden. Ganz nebenbei stößt er auf einige Menschen, die ernsthafte Probleme im Königreich verursachten – ohne dies ganz zu begreifen.

Fionrir entdeckt auf seiner Reise neue Fertigkeiten und wächst über sich hinaus – das Thema Erwachsenwerden wird hierbei dezent aufgegriffen. Manches ist für Fio dabei überraschend, etwa dass er plötzlich mit Tieren sprechen kann. Auch das ist eine überlieferte Fertigkeit einiger Drachen – und bereitet den Tieren nicht nur Freude: Es ist doch seltsam, wenn die eigentliche Beute plötzlich spricht!

Abenteuer mit klarem Gut/Böse

Die Abenteuer Fios schildere ich nicht im Einzelnen: Es sind einfache Begegnungen mit einem positiven Weltbild. Die Guten sind gut; die Bösen sind böse. Manchmal sind Dinge nicht so, wie es scheint, und haben einen verborgenen Sinn.

Das ist für junge Leser gleichzeitig auch Warnung und Mahnung zum moralischen handeln. Denn typisch für Bücher, die sich an junges Publikum richten, scheitern die Bösen und die Guten werden belohnt. Das überrascht nicht und ist vollkommen in Ordnung.

Weiterdenken für Erwachsene

Ein kleiner(!) Kinken, über den ich insgesamt jedoch gerne hinwegsehe, sind einige Konsequenzen, die in der Geschichte keine Beachtung finden. Auf der anderen Seite sind viele Dinge absolut stimmig: Die geringe Größe der Drachen macht das Zusammenleben mit Menschen viel einfacher.

Auch zeigt Andreas Arnold Geschick bei der Wahl von Namen und Drachenfertigkeiten. Ältere Fans werden Namen wir Sirrusch als nicht ausgedacht erkennen. Fionrirs Fertigkeit mit Tieren zu sprechen und die (angebliche) Unsterblichkeit, die Drachenblut verleiht, sind ebenfalls bekannte Dracheneigenschaften. Nach dem irritierenden Einstieg wird das Bild für mich rund.

Denkt man einige Dinge jedoch über die Grenze der Geschichte hinaus, erkennt man Probleme: Zu Beginn isst Fio Fleisch, kann aber später mit Tieren reden. Wird er jetzt zum Vegetarier? Mit seinem Futter freundschaftlich zu sprechen, macht es schwer, es als Beute zu betrachten, wie einige Tiere für den Leser sehr amüsant feststellen. Das Problem wird hier jedoch zugunsten von Freundschaft und Zusammenarbeit übergangen - und das finde ich absolut in Ordnung.

Das gilt auch für Fios Geburtstagsgeschenk. Aufmerksame Leser bemerken gleich zu Beginn, dass die Aufforderung nicht wirklich ernst gemeint ist, die Prinzessin zu fressen, wie es jeder Drache zum siebten Geburtstag als Geschenk bekomme. Immerhin gibt es viel Gezwinker. Und es würde tatsächlich kaum Sinn machen.

Geschichtsstunde: Menschen und Drachen

Viele Fantasyautoren schaffen komplette Welten mit vielen Details. Das passt in aller Regel nicht für ein Kinderbuch. Gegen Ende gibt es dennoch eine Art Geschichtsstunde, die für mich fast ein wenig viel Information auf einmal ist. Sinnvolle Erklärung? Ja. Aber es bringt die Geschichte nur bedingt voran, rundet allenfalls etwas ab.

Hier erfährt der Leser, warum überhaupt eine Prinzessin geschenkt wurde; warum diese Prinzessin Drachen für Legenden hält, obwohl alle anderen von Drachen wissen. Und dass die Menschen nicht immer in Frieden mit den Drachen lebten.

Selbst diese düstere Vergangenheit wird blutlos gehalten. Sie setzt auch einen möglichen Ausblick für die weitere Reihe. Und dieser gefällt mir, gerade weil keine epischen Schlachten, sondern friedliches Zusammenleben im Mittelpunkt stehen - und natürlich Fios und Quirinas Abenteuer.

Und apropos weitere Reihe: Das nächste Buch liegt schon auf meinem Lesetisch und wird garantiert von mir verschlungen. Zugegeben mit einer kurzen Pause, denn ich finde es etwas anstrengend, mehrere im Vergleich eher einfach gehaltene Kinderbücher hintereinander zu lesen.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

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