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Grimoires.de    
Wertung: 4/5 Grimoires; 8/10 Punkte, Gut bis sehr gut

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Wertung: 3/5 Grimoires; 7/10 Punkte, Gut

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Unter Aves' Schwingen ist eine weitere Sammlung von Kurzgeschichten aus Aventurien, der Welt des Schwarzen Auges. Diese Geschichten sind Einsendungen (und selbstverständlich Sieger) zu einem Wettbewerb anlässlich des 20jährigen Bestehens der Rollenspielwelt - die genaue Auswahl erklärt Momo Evers im Vorwort.

An dieser Stelle weiche ich, wie immer vom üblichen Schema ab, um eine Übersicht, über die enthaltenen Geschichten zu geben - jede kurz anzureißen -, einen kurzen Kommentar abzugeben und letztlich ein Resumée zu ziehen.

"Von der Dichtkunst" handelt die erste Geschichte aus der Feder Michael Böcks. Seinem Dichter fließt es allerdings nicht so sehr aus der Feder. Nicht das Innovativste aber kurz, geladen und direkt; gelungen. (8)

"Der Weg des Kriegers" (Florian Meyer) ist manchmal schwer zu gehen, insbesondere dann, wenn man der Waffe abgeschworen hat. Dies erlebt auch der gealterte "Held" dieser Geschichte, der erneut herausgefordert wird. Zu vorhersehbar für meinen Geschmack, dennoch gut erzählt. (7)

"Ein vermessenes Unterfangen" ist Olaf Schroths Geschichte in der Tat. Damit meine ich nicht die Geschichte selbst sondern den Inhalt: es geht um die Kartographie. Nur dummerweise will die Kartographie nicht so wie der Kartograph und das Vorhaben droht zu scheitern. Während der Plot eher dröge ist und mich kaum begeistern konnte - fast nur Haderei des Kartographen und dann ein wenig Intrige - sah mich die Schlusspointe dann doch in Lachen ausbrechen. (7)

Nenja Sowas "Saatfest" ist bisher die bei weitem düsterste Geschichte, obgleich ich bei dem Titel Gegenteiliges erwartete: Die Liebe des Hauptcharakters begeht Selbstmord nachdem der örtliche Adlige sie zu sich holte, darauf sucht der Protagonist Rache. Nicht zu langatmig, allerdings auch nicht sehr tiefgründig. (7)

"Heldars erste Aventiure" gestaltet sich etwas anders, als der Junge Knappe es sich vorstellt, wird doch sein Lehrer recht schnell von einem Oger ausgeschaltet und in dessen Höhle geschleppt. Da bleibt es dann am Knappen, zu handeln. Ein bekannter Plot, von David N. Schmidt gut umgesetzt. (8)

Thomas A. Ruhks "Festung aus Holz" besteht aus den Wagen von Flüchtlingen: ein feindliches Heer ist auf dem Weg und keine Klinge kann es stoppen, ist es doch bereits tot. Ein letzter verzweifelter Plan ist der Kampf, die Barrikaden aus den eigenen Fluchtvehikeln geschaffen. Interessant, jedoch nicht überragend und vorhersehbar. (6)

"Corian" ist, "der Eine". Der Eine, der auf einmal am Lagerfeuer auftaucht und sich einige Kumpane sucht, den Turm eines Schwarzmagiers auszunehmen. Die erste Geschichte, die mich am Ende herzhaft lachen ließ. Stefan Schweikert schafft hier eine äußerst gekonnte Geschichte mit stilvollem Stilbruch der Welt - welcher letztlich der Angelpunkt der Geschichte ist, die sich ansonsten wie das typische "Ihr trefft euch in einer Kneipe..." angeht. (8)

"Die Schöne der Nacht" verdreht dem Seemann in Frank Tarcikowskis Geschichte den Atem. Die ganze Überfahrt kann er sich kaum von ihr losreißen, doch sie ist von Adel und er nur ein Seemann...doch sie scheint durchaus eigene Pläne zu haben. Man beachte den Titel und blättere in Heldentypen. Gut geschrieben aus Ich-Perspektive, wenn auch nichts absolut Neues. (8)

"Thesia und Raidri" von Achim Kennin Steigert und Yvonne Klaas braucht seine beiden Hauptprotagonisten nicht vorstellen. Hier treffen sie auf Orks - und leider geht das Ganze nicht so glatt, wie sie sich hofften. Die Pointe verriet sich jedoch leider zu früh für mich. (6)

Eine neue "Heldenzeit" bricht mit Frederik Steenblocks Geschichte an, während alte Helden den Ruhestand genießen. Eine junge Hesindegeweihte kann dies leider gar nicht nachempfinden. Todlangweilig! Zwergische Kultur in menschlicher Umgebung studieren... warum nicht Elfen oder Echsen? Doch dann geschieht ein Mord - doch fehlt das Motiv. So mag eine junge Geweihte wohl tatsächlich fühlen - gut und flott geschrieben (8).

"Zinke rennt" in Sasa Stanisis Geschichte, die den Publikumspreis gewann. Rennen will er eigentlich nicht, aber das Ausborgen der Gans scheint der eigentlichen Besitzerin der Gans nicht gefallen zu haben. Und dann ist da noch dieser reiche Herr, in den Zinke im wahrsten Sinne des Wortes hineinrennt und dessen Ableben ihm recht schnell einen weiteren Grund zum Rennen gibt. Wenngleich wenig heldenhaft, so doch überaus amüsant: Manchmal gibt Fortuna eben. Pardon, ich meine natürlich Phex (8).

"Der Tote im Park" ist ein Goblin und interessiert daher kaum einen. Doch eine Schamanin der Goblins stellt Spuren von Magie an der Leiche fest und außerdem ist gerade ein magisches Buch aus der örtlichen Akademie verschwunden - das könnte auch für weitere Goblins Probleme bedeuten, wenn eine Goblinhasserin unterwegs ist. Stephanie von Ribbeck bietet hier die erste Nicht-Mensch Perspektive; gelungen und kurzweilig (8).

Christoph Masers "Straßenrose", ist zunächst einmal ein Lied (von dessen Metrum ich zu schweigen vorziehe...). Die Geschichte ist aus doppelter Perspektive erzählt, als Ich-Erzählung von jemandem, der bald stirbt und in Rückblenden von einem allwissenden Erzähler. Gelungen, melancholisch und überzeugend; Pathos ohne Epik und mit schönem runden Abschluss. (9)

"Ein ganz gewöhnlicher Held" wird von Volker Wöll ins Rennen geschickt, und zwar während der Namenlosen Tage. Zunächst stolpert eine Elfe in eine Taverne bald gefolgt von wilden Hunden und der Obrigkeit. Ein Kampf ist schnell entbrannt, und nach einem weiteren Krieger kommt schließlich auch der Baron... eine typische Geschichte der unheldenhaften Helden...mit sehr offenem Ende und Erinnerungen an ein gewisses Abenteuer weckend. (8)

"Der Weg des Yurach" wird von einem jungen Ork in Leo Schellers Geschichte gewählt; der Weg eines Stammeslosen. Jener Ork sollte die Nachfolge seines Vaters antreten, des Häuptlings. Doch stellte er sich zu viele Fragen und ging schließlich fort, um Antworten zu finden. Ein Philosophen-Ork ist sicher untypisch und hätte sich als Priester besser gemacht - eine Möglichkeit, mit der auch der Autor spielt. Schön, dass Orks nicht von allen als Klingenfutter gesehen werden. Es lebe die orkische Kultur! Eine schöne Lebensgeschichte, leider fehlt der "Knüller". (7)

"Dekolleté und Degen" (gepriesen sei nebenbei die Erlaubnis, auch nach der Rechtschreibreform die Schreibung der Originalsprache beizubehalten!) klingt wie eine Abwandlung des bekannten Mantels. Die Lokalität ist daher nicht schwer zu erraten. Das Dekolleté wird in dieser Geschichte von Jan Söfier einem Adligen auf Geheimmission zum Verhängnis. Zwar guter Erzählstil, aber vom Inhalt her nicht berauschend (6).

Das "Feuer der Vergangenheit" brennt in Susanne Müllers Geschichte, in der Tari nach und nach einem dunklen Geheimnis auf die Spuren kommt: Eine Hexenverbrennung vor langer Zeit, von der nur ein unbeantworteter Liebesbrief zurückblieb... Trotz gutem Erzählstils kommt weder Schrecken noch überragende Spannung auf und ich weiß ehrlich nicht, woran ich zum Schluss bin. (6)

Die Konfusion der vorherigen Geschichte führt Melanie E.C. Meyer mit "Thamael" weiter, zumindest für mich. Die übliche Böse-Stiefmutter Geschichte wird hier mit der Familiengruft, einer seltsamen Stimme und einem bedeutenden Buch gepaart sowie einem Geweihten. Ich denke, ich werde die Autorin hier einmal um eine Erklärung bitten müssen: Trotz nochmaligem Lesen habe ich Probleme mit den starken Brüchen in der Geschichte sowie der zeitlichen Abfolge. Die Quintessenz bekommt man. In jedem Fall die wohl anstrengendste Geschichte des Bandes. Guter Stil trotz altem Plot - aber totale Verwirrung meinerseits am Ende. (6-7 mit zusätzlichem Fragezeichen)

Einen "Traum von Ehre" hat der Sohn eines Schafshirten in der Geschichte von Ira Bagusat. Mit seiner Ausbildung zum Rondrageweihten ist er dabei auf dem besten Weg - nur leider verblasst die Ehre doch ein wenig im Angesicht eines Kaiserdrachens. Stilistisch gut, die Pointe nur zu vorhersehbar und der Epilog-Absatz eher nur verwirrend unnötig. (7)

"Die Klinge der Nacht" findet ein Ork in Kolja Poldners Geschichte, die ursprünglich Teil einer größeren war. Das Ende ist auch hier kaum geglückt und der Plot greift im Wesentlichen die Idee einer beseelten Waffe auf. Naja. (6)

"Von einem, der auszog, ein Held zu werden" berichtet Marcus Friederich. Und alles scheint auch gut zu laufen, doch ist die Armee nicht nur Zuckerschlecken. Bedrückend-"realistisches" Ende, und für den Titel nicht unbedingt erwartungsgemäß. (7)

Tyll Zyburas Geschichte, "Das Königsgrab" war eigentlich für eine Regionalspielhilfe vorgesehen: Rhaen findet eines Tages das Grab eines Königs und wird kurz darauf von der Flut erfasst. Lange Jahre lässt sie das Wissen um das Grab - und dessen verlorenen Schatz - nicht los. Das Ende ist schön melancholisch und "patriotisch" getroffen. (8)

Fazit: Nach einigen herben Enttäuschungen in Sachen Anthologie - seien es "Fantasy Selections" vom "deutschen Meister" W. Hohlbein [welch Hohn im Titel, nein ich häme hier kein Bisschen...] oder auch Anthologien aus der DSA-Welt - bin ich hier positiv überrascht. Die Geschichten sind allesamt von guter bis sehr guter Qualität. Jeder wird wohl seine persönliche Lieblingsgeschichte finden, sei es eine der Geschichten die eher in Richtung klassisches (Super-) Heldentum gehen oder eine mehr aus dem Leben gegriffene. Dies ist übrigens als Tendenz deutlich spürbar: die Epik hat sich erschöpft, vielmehr trifft man hier auf "alltägliche" Probleme und nicht ganz so erfolgreiche „Helden“. Dennoch fehlt es nicht an Heldentum, nur eben nicht in der standardmäßigen Schwert-und-Magie Weise. Meine persönliche Lieblingsgeschichte? Seltsamerweise die Geschichte, die ich zunächst übersprang: Die Straßenrose. Kaufen! Auch die DSA-Anthologien haben hiermit gute Qualität erreicht. [Schnitt: ~8 Punkte]

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


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