Buch-Cover, Ben Aaronovitch: Geister auf der Metropolitan Line

Geister auf der Metropolitan Line

Originaltitel: The Furthest Station [EN]
Serie: Die Flüsse von London (Peter Grant) (#7)
Übersetzer: Christine Blum
Genre: Urban Fantasy
Verlag: dtv
Seiten: 171
Erschienen: 06/2018 (Original: 2017)
ISBN: 978-3-423-21733-0
Preis: 8,95 Euro (Softcover)
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Grimoires.de    
Wertung: 3/5 Grimoires; 7/10 Punkte, Gut

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Kurz & Knapp
  • Peter Grant Feeling
  • Kurzroman lässt wenig Raum

Geistersichtungen in der Londoner U-Bahn: Natürlich ist das ein Fall für Police Constable und Zauberlehrling Peter Grant. Aber schon die Suche nach Zeugen gestaltet sich schwierig, denn diese vergessen kurz darauf, was ihnen widerfuhr. Gemeinsam mit der für seinen Geschmack viel zu begeisterten Abigail, Nightingale und Sergeant Kumar begibt Peter sich daher selbst in die Züge und macht einige seltsame Begegnungen. Neben all dem Absonderlichen, in das er wie immer hineinstolpert, stößt er aber auch auf handfeste Hinweise für eine Entführung. Zumindest so handfest wie körperlose Geister es eben sind.

Das Buch erhält 7 von 10 Punkten.

Geister auf der Metropolitan Line fällt auf den ersten Blick als dünn und kurz auf. Logisch, denn es ist ein Kurzroman (171 Seiten tatsächliche Geschichte) und spielt abseits der großen Handlung um den Gesichtslosen. Zeitlich verortet ist die Handlung zwischen Fingerhut-Sommer und Der Galgen von Tyburn - das kann man dem Kurzroman aber nicht direkt entnehmen. (Quelle: Folly Wiki) Zwar ist diese Geschichte typisch Peter Grant und bringt einige Nebenfiguren wieder ein, ist dabei aber auf einen einzigen, geradlinigen Fall fokussiert. Ben Aaronovitch streut zwar auch hier skurrile Nebendinge ein, kommt aber nicht an die Qualität eines "ganzen" Romans heran.

Zentraler Fall abseits der Serienhandlung

Diese Peter Grant Geschichte ist ein Kurzroman und das hat einige direkte Konsequenzen. Die Handlung, welche die Romane durchzieht, spielt hier keine Rolle. Stattdessen gibt es einen einzelnen Zentralen Fall. Dessen Ansatz ist auch von Beginn an klar: Es gilt, Zeugen zu finden und zu befragen. In der Folge ergibt sich immer ein einziger, unmittelbarer nächster Schritt. Das ist geradlinig und lässt keinen Raum für Fehleinschätzungen, Irrwege oder größere Nebenepisoden.

Trotzdem gelingt es Ben Aaronovitsch, einige Dinge am Rande einzustreuen. Dennoch vermisse ich etwas. Zwar ist das nerdige Peter Grant Feeling da, aber alles wirkt spürbar kürzer, bekommt keinen Raum zur Entfaltung. Die Serie selbst scheint stillzustehen und auch Nightingale wirkt wenig präsent. Im Fokus steht stattdessen - und das ist durchaus nicht negativ gemeint: Abigail.

Praktikum einer Jungzauberin

Ben Aaronovitch holt einige Nebenfiguren zurück: Sergeant Kumar von der British Transport Police wurde inzwischen befördert. Noch wichtiger ist aber Peters Cousine Abigail. Sie tauchte erstmals in Ein Wispern unter Baker Street auf und war schon damals überaus neugierig und an Magie interessiert. In der Folge fasste Nightingale einen Entschluss: Sicherer als sie alleine herumrennen zu lassen und sich durch Magie in Gefahr zu bringen, ist es, sie als eine Art Praktikantin zu akzeptieren. Immerhin kann man so ein Auge auf sie haben und einen gewissen Einfluss ausüben. Wohin das führt, sieht man jetzt.

Denn Peters Hoffnung, Abigail würde das Interesse verlieren, hat sich nicht erfüllt. Sie meint es mehr als ernst und schleppt diesen Fall an. Außerdem ist ihr Latein inzwischen besser als Peters und sie scheint einige Leute zu kennen, die sich von Nightingale und Peter lieber fernhalten.

Übrigens: Abigail zeigt sich in diesem Roman erstmals in größerer Rolle, bekommt aber auch einen eigenen Roman, What Abigail did that summer (parallel zu Fingerhut-Sommer) und spielt eine Rolle im Comic Cry Fox. Und von Abigail kann ich durchaus mehr vertragen.

Geister - das Unerforschte

Aber worum geht es bei diesem Fall? Um Geister, die plötzlich gehäuft in der U-Bahn auftauchen, einen Notruf abgeben und dann verschwinden. Erst langsam kommt Peter darauf, dass tatsächlich mehr als die Echos Verstorbener dahinter steckt und mit der Vergangenheit des Folly verbunden ist.

In bewährter Manier versucht Peter dabei, wissenschaftlich an die Magie heranzugehen und natürlich führt ihn dies zur Klassifizierung von Geistern: mit Annies und verschiedenen Kategorien. Typisch Peter Grant und zudem erfrischend!

Kleiner Einschub: Warum musste dieser Titel sein? Die letzte Station hätte wunderbar funktioniert, wäre eine deutlich nähere Übersetzung und hätte sowohl dezent auf die Geister der Handlung angespielt als auch in anderer Hinsicht gepasst. Aber ok: Ein Beinbruch ist das nicht.

Nebenhandlungen

Auch in diesem Kurzroman gibt es einige Nebenhandlungen: einige seltsame Gestalten, ein paar tote Tiere und ein Junge, der plötzlich auftaucht und dessen Name eine sehr markante Ähnlichkeit zu einem nahen Fließgewässer hat ... aber was tun in so einem Fall?

Diese Nebenschauplätze werden jedoch wenig mehr als angedeutet und hätten in einem Roman sicher mehr Platz bekommen. Vielleicht wird man einige Figuren ja in Zukunft wiedersehen? Interessant sind sie allemal.

Am Ende ist Geister auf der Metropolitan Line ein unterhaltsamer Peter Grant Roman, aber eher für zwischendurch. An das Niveau der Hauptserie reicht er nicht ganz heran. Ich will mehr, und zwar einen echten, ganzen Roman! Als Happen zwischendurch macht man jedoch wenig falsch und kann allenfalls den Preis kritisieren, den wenig von einem "ganzen" Roman unterscheidet.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde zuletzt geändert am und ursprünglich veröffentlicht am .


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