Buch-Cover, Ben Aaronovitch: Die Silberkammer in der Chancery Lane

Die Silberkammer in der Chancery Lane

Originaltitel: Amongst Our Weapons [EN]
Serie: Peter Grant (#9)
Übersetzer: Christine Blum
Genre: Urban Fantasy
Verlag: dtv
Seiten: 418
Erschienen: 04/2022 (Original: 2022)
ISBN: 978-3-423-26331-3
Preis: 15,95 Euro (Softcover)
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Grimoires.de    
Wertung: 4/5 Grimoires; 8/10 Punkte, Gut bis sehr gut

8/10

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Kurz & Knapp

  • Ein echter Peter-Grant-Roman
  • Fall des Romans wirkt losgelöst

Die Londoner Silver Vaults sind eigentlich ziemlich sicher - aber mit magischen Verbrechen rechnet ja auch niemand. So geschieht genau hier der neueste "Abstruse Scheiß": Irgendetwas hat seinem Opfer fein säuberlich das Herz zerschossen. Und alle Elektronik im näheren Umkreis gleich mit, ein nahezu untrügliches Zeichen für Magieeinwirkung. Doch mit dem seltsamen Metallzylinder samt unbekannter Vestigia-Signatur kann weder Peter Grant noch Nightingale etwas anfangen. Jenseits des Beruflichen hat Peter auch privat einiges zu tun, denn die Geburt seiner Kinder rückt in greifbare Nähe.

Das Buch erhält 7-8 von 10 Punkten.

Die Silberkammer in der Chancery Lane kann man beinahe als unabhängiges Abenteuer von Peter Grant bezeichnen. Aber nur beinahe. Denn einerseits: Verbindungen zu anderen Fällen gibt es kaum, das Problem des Romans ist abgeschlossen. Andererseits: Die Kontinuität läuft weiter. Und insgesamt schien gerade Peters Privatleben und was sonst alles passiert wichtiger als der Fall. Das war für mich ok, denn bei all dem fühlt sich dieses Buch wie ein echter Peter-Grant-Roman an.

Privatleben

Bei Serien gibt es Serien mit einer einzigen fortlaufenden Handlung, die mehr oder weniger durch die Seitenzahl in Teile gestückelt wird. Oder es gibt Serien wie diese, die zwar eine fortlaufende Geschichte erzählen, bei jedem Roman aber einen konkreten und im Wesentlichen abgeschlossenen Fall in den Mittelpunkt stellen.

Bei diesem Roman hingegen steht eher etwas anderes im Vordergrund: Nicht der Fall und die kriminalistischen Ermittlungen sondern Peters Privatleben. Denn Peter und Beverly werden Eltern - und die Geburt der Zwillinge naht. Das bedeutet für Peter auch Elternzeit und das wiederum bedarf einiger Vorbereitungen.

Das gilt auch für die professionelle Seite, also das Folly und die Metropolitan Police: Peter bildet nun Polizeibeamte aus. Zwar nicht zu Zauberlehrlingen aus, aber immerhin zu Falcon-geschultem Personal mit Vestigia-Erkennungs-Fertigkeiten. Denn das sich aller "abstruser Scheiß" einfach in Luft auslöst, davon geht niemand aus.

Abgeschlossener Fall

Eher nimmt diese zu. Wie erwähnt ist der neueste Fall in sich geschlossen und öffnet eine ganz neue Richtung. Dabei wählt er ein beliebtes Thema der Fantasy als Aufhänger. Zwar ist die Richtung klassisch, und "niemand erwartet die Spanische Inquisition" wie Peter als Nerd bemerken würde, aber gleichzeitig ist dieses Thema auch ein wenig abgedroschen und ich wurde nicht so recht warm damit. Es wirkte weniger wie London und mehr wie ein Fremdkörper im Londoner Praktizierenden-Kosmos - aber vielleicht ist ja genau das eine Andeutung zur Zukunft der Reihe

Für mich war dieser magische Fall aber ohnehin mehr Beiwerk um das Privatleben und die weitere Welt - hier passt ein "fremdes" Artefakt dann wiederum. In Sachen Handlung an sich bleibt mir zudem kaum etwas zu bekritteln: Sie ist gewohnt flott, durch viele kürzere Szenenwechsel vielleicht sogar etwas flotter als vorherige Bände. Neben Szenenwechseln ist auch die direkte, unmittelbare Action mit magischen Duellen verteilter. Im Vergleich zu dem zuvor von mir gelesenen Buch (Aera 2) wirkte dieses jedoch recht gemächlich. Aber keinesfalls langweilig oder einschläfernd. Das ist eine deutliche Veränderung im Vergleich zur Zeit mit dem Gesichtslosen, den keine der Figuren einfach so konfrontieren konnte.

Übrigens, der Titel ... insbesondere mit den neueren deutschen Titeln (aber auch einigen englischen) werde ich nicht so recht warm. Ja, der Fall beginnt in den genannten Silberkammer(n) - aber eigentlich ist dieser Ort vollkommen egal. Irgendwie auch schade, denn der hätte durchaus mehr hergegeben. (Link zu den echten Silver Vaults)

Lasten der Vergangenheit ...

Was macht den Roman zu einem echten Serienteil, wenn der Fall an sich losgelöst ist? Peters Privatleben lief immer mit. Und auch andere Magietraditionen und wie sie sich bis in die aktuelle Zeit veränderten, waren immer da und spielten gelegentlich eine Rolle. So rücken nun insbesondere die Söhne Wielands in den Mittelpunkt und auch der Umgang mit weiblichen Praktizierenden wird thematisiert. Außerdem gibt es ja weiter Dinge der (entfernten) Vergangenheit, die sich in mancher Hinsicht rächen könnten.

Viele bekannte Figuren sind erneut dabei. Lesley taucht auf und mischt eifrig mit - in wessen Auftrag auch immer. Abigail und die sprechenden Füchse treten auf, spielen wie Agentin Reynolds in den USA aber nur eine geringe Rolle und auch Molly sowie Fingerhut sind mehr "Inventar mit Funktion" als aktive Figuren. Insgesamt sorgen diese Auftritte aber unaufdringlich für ein Gefühl der Kontinuität - und trotz kleiner Rollen sind sie wichtig.

... und Wege in die Zukunft

Ebenjene Kontinuität öffnet auch einige Perspektiven für die Zukunft und einige Andeutungen, wie sich die Serie entwickeln könnte. (Nicht erst jetzt wird Peter in Anlehnung an Nightingale als Sperling bezeichnet - eine Vogelart, die den neuen Tag und damit Aufbruch ankündigt.) Schon jetzt hat sich die Serie verändert. Ohne den Gesichtslosen muss es etwas anderes geben, was die Serie neben dem "Monster der Woche" fortführt.

Konkret gibt es die Ausbildung von Polizeibeamten für Falcon. Haben wir in Zukunft mehr Praktizierende im Polizeidienst zu erwarten? Im Größeren stellt sich die Frage nach der Zusammenarbeit verschiedener Praktizierender. Die anderen haben viel, das man lernen will und umgekehrt, aber sind die Söhne Wielands oder nicht-englische Praktizierende gewillt, ernsthaft zu kooperieren? Irgendwo stellt sich dann sicher auch die Frage nach Fingerhut, Molly und all den anderen Wesen und Personen der Demimonde, die sich nicht nur zu Peters Überraschung durchaus effizient mit der mundanen Welt auseinandersetzen.

All diese Ansätze können interessant werden. Und wenn ihre größere Rolle derzeit auch nur meine Spekulation ist, bin ich sicher, dass sie Peter begleiten werden - mitsamt der bekannten Londoner Entourage.

Bei allen Veränderungen und selbst wenn der Fall nur zweite Geige ist: Für mich war dies ein echter, typischer Peter-Grant-Roman, der qualitativ ein Stück besser wird als einige neuere Teile. Ein Peter-Grant-Roman mit Nerd-Faktor und vielen entsprechenden Anspielungen sowie einem Hauch (Architektur-) Geschichte. Davon darf gerne noch lange mehr kommen!

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

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