Buch-Cover, Markus Heitz: Die Rückkehr der Zwerge 1

Die Rückkehr der Zwerge 1

Serie: Die Zwerge (#6)Genre: Fantasy
Verlag: Knaur
Seiten: 480
Erschienen: 09/2021 (Original: 2021)
ISBN: 978-3-426-22755-8
Preis: 15,00 Euro (Softcover)
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Grimoires.de    
Wertung: 3/5 Grimoires; 7/10 Punkte, Gut

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Kurz & Knapp

  • Alte Figuren fehlen, kaum Anknüpfung

Hunderte Zyklen sind im Geborgenen Land vergangen seit den Abenteuern von Tungdil und seinen Freunden. Für den Gemmenschnitzer Goïmron sind jene alte Zeiten faszinierend. Eines Tages entdeckt er unter einigen Artefakten ein Buch. Der Inhalt ist kaum zu glauben: Tungdil Goldhand selbst muss das Buch geschrieben haben - und der letzte Eintrag ist sehr neu. Goïmron macht sich auf die Suche nach der Zwergenlegende. Er könnte die Zwerge erneut einen und den Vierten helfen, ihr Gebirge zurückzuerobern! Doch bei seiner Suche gerät Goïmron in Machtkämpfe zwischen Menschen, Orks, Albae und Zwergen - und der Drachin, die seit langem die Herrscherin des Geborgenen Landes ist.

Das Buch erhält 7-8 von 10 Punkten.

Buchtrailer Die Rückkehr der Zwerge
Die Rückkehr der Zwerge lässt mich zwiegespalten zurück. Einerseits sehe ich das Geborgene Land wieder, mitsamt Zwergen, Menschen, Albae und Orks. Andererseits ist dies nicht mehr das Geborgene Land, das ich kenne. Es ist anders, lange Zeit ist vergangen. Bei einigem fragte ich mich, ob ich dies kennen möchte oder ob es neu ist. Das gelingt dem Roman vielleicht am besten: Selbst für die Figuren ist die Geschichte von Tungdil ein "Damals", eine graue Vorzeit zu der sie keinen Bezug haben. Exakt das ist aber auch das Problem: Ich finde keine rechte Verbindung zu den Romanen, die ich liebgewonnen habe.

Mehrfache Rückkehr

Der Titel ist mehrfach Programm: Als Leser kehrt man in die Welt der Zwerge zurück. Und auch die Völker von Albae, Orks und Co kehren zurück - oder waren nie fort. Weltintern kann man den Titel aber auch auf die Rückkehr der Vierten in ihr Gebirge beziehen, ein Unternehmen das sie seit langem Herbeisehnen.

Bleiben wir kurz beim Titel: Aufmerksame bemerken natürlich die "1" am Ende. Ja, dies ist ein Zweiteiler als Fortsetzung, die nach sehr langer Zeit erfolgt (sowohl Realzeit als auch Weltzeit). Hier kann man durchaus geteilter Meinung sein: Die Länge ist eigentlich ok, allerdings fühlt es sich schon so an als ob man mit zwei Büchern gerne doppelt kassiert. Für 480 und einen sehr bekannten Autor ist der Preis aber auch nicht komplett unüblich - und die eBook-Version gibt es mit 9,99€ deutlich günstiger.

Der Abschluss dieses ersten Teils ist in jedem Fall ordentlich. Hier wurden einige Dinge in Bewegung gesetzt - vieles aber offen gelassen. Das Buch endet mit einer Entscheidung des neuen Hauptcharakters. Wie diese ausfällt, erfährt man im zweiten Band. Das ist für mich in Ordnung. Probleme habe ich damit, dass sich die Rückkehr ins Geborgene Land nicht wirklich wie eine Rückkehr anfühlt .

Ein fremdes Geborgenes Land

Denn seit den Ereignissen der vorherigen Zwerge-Romane sind mehrere hundert Zyklen vergangen, beinahe ein Jahrtausend. Vieles hat sich verändert. Von den einstigen Reichen blieb wenig - und alle liebgewonnenen Figuren sind längst tot und verschwunden, keine Rückkehr in diesem Sinne.

Das Geborgene Land scheint einen Niedergang durchgemacht zu haben: Menschen schlagen sich damit durch, Dinge der Vergangenheit wiederzufinden. Briganten konnten ein eigenes Reich gründen, das aufzumischen nicht gelingt. Orks und andere Bestien siedeln ohne dass man ihnen entgegentritt. Trotz mancher Fortschritte gib dies ein eher düsteres Gefühl von Barbarei, zumal selbst Magiekundige mehr aus den übergebliebenen Schätzen der Vergangenheit zehren als neue Wunder wirken.

Was ist in den Jahrhunderten passiert? Wie genau entstand die Situation? War das schon in den vorherigen Zwergenbüchern angelegt? Ich weiß es ehrlich nicht mehr, denn die Lektüre ist zugegeben einige Zeit her und dieser Roman schweigt sich aus. Ich mag mich schlicht nicht erinnern, aber ich denke dass vieles dies nicht war. In diesem Sinne trifft man auf eine ganz neue, mindestens aber stark veränderte Welt.

Wenig Bezug zum Alten

In gewissem Maß spielt Markus Heitz auch mit der Veränderung in der Welt. Immer wieder taucht Bekanntes auf: Tungdil, der Name Aiphatòn, alte Rüstungen und Waffen. Hier wurde die Geschichte, die man in den vorherigen Teilen noch "live" miterlebte, in der Fantasywelt selbst zur mystischen Vergangenheit. Vielleicht sollte ich eher sagen "gelegentlich" taucht diese Vergangenheit auf. Denn der Roman könnte davon leben, bietet mir aber letztlich einen guten Schuss zu wenig davon.

Denn der Ausdruck "mystische Vergangenheit" ist ganz bewusst so gewählt. Den aktuellen Figuren ist der Name Tungdil Goldhand unbekannt. Einige wenige kennen ihn noch - ein Held aus lang vergessener Zeit. Gab es ihn wirklich? War er nur Legende? Und wenn schon, er ist doch längst zu Staub zerfallen! Die Geschichte der vorigen Romane wirkt unendlich distanziert.

Die Anspielungen aufs Alte könnten hier reizvoll sein, wecken auch Neugier - aber diese wird nicht befriedigt. Was geschah, bleibt verborgen; dem Reiz, dies zu erkunden, kann nicht gefolgt werden. Es ist einfach wenig sichtbar vom alten Tark Draan. Zwar gibt es wieder albische Intrigen, Scharmützel mit Orks und das Machtstreben anderer, aber sie sind "neu", nicht aus dem Alten heraus fortgesponnen.

Der Mangel, dem Geschehenen nachzugehen, rührt vielleicht auch aus der zahlreich gesplitteten Handlung. Markus Heitz folgt nicht einer oder wenigen Hauptfiguren, sondern wechselt zwischen vielen Perspektiven, darunter sowohl Freund als auch Feind. Das kennt man von ihm und das stört auch nicht - sein Handwerk beherrscht der Autor. Allerdings gibt es durch die vielen Wechsel auch wenig Raum, einzelne Linien länger zu verfolgen. So verwundert es mich durchaus, wie wenig technischen Fortschritt die Zwerge machten. Antworten, Erklärungen finde ich nicht - schade!

Standard-Handlung

Schade ist auch, dass der Grundkonflikt ziemlich simpel ist, Fantasy-Standard: Die Albae wollen das Geborgene Land, der Briganten-König Macht und Gold und andere wollen Ähnliches und eine kleine Gruppe sucht einen alten Helden zur Rettung - seine legendäre Waffe wäre auch ganz nett. Die Charaktere selbst bleiben mir dabei kaum in Erinnerung. Und ja, erneut kann ich sagen: Ich vermisse einfach jeden Bezug zu den liebgewonnenen Figuren und ihrem Schicksal - auch das hätte die Handlung aufwerten können.

Die Konfliktlinien folgen dabei nicht den Rassen: Die Zwerge vom Stamm der Dritten möchten nicht ihre eigene Macht für die anderen Stämme riskieren. Ein mysteriöser Alb hat zudem Pläne, die sich ganz und gar nicht mit denen seines Volkes decken - und in die Vergangenheit greifen. Ich habe die Hoffnung, dass genau diese Vergangenheit im zweiten Band zentraler wird und dann genau die Ereignisse nachzeichnet, die ich hier vermisse. Genau jene Vergangenheit oder Zwischenzeit fehlt mir einfach als Bindeglied zu den ersten fünf Romanen. Dass die Pläne einer alten Zwergenlegende eine Rolle spielen werden, ist klar. Ich hoffe, dass wir auch mehr Antworten und Anknüpfung an die Zeit zwischen den Romanen 5 und 6 erhalten. Diesen Anschluss ans Alte verpasst dieses Buch - und neue Figuren allein erfüllen meine Erwartung nicht.

So sehr ich mich über einen neuen Zwerge-Roman freue, über guten, soliden Standard kam dieses Buch für mich nicht hinaus. Dabei wollte ich ihn gerne lieben und genießen wie die ersten Teile. Ein Heitz-Roman muss aber höhere Qualitätserwartungen erfüllen - und das gelingt ihm nicht wirklich. Dennoch werde ich den nächsten Teil lesen - und hoffe, dass dieser das bringt, was fehlt; möglich ist es.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

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