Buch-Cover, Markus Heitz: Die schwärzeste Nacht

Die schwärzeste Nacht

Serie: Aera / Malleus Bourreau (#11)Genres: Dark Fantasy; Urban Fantasy
Verlag: Knaur
Seiten: 480
Erschienen: 03/2022 (Original: 2022)
ISBN: 978-3-426-52857-0
Preis: 12,99 Euro (Softcover)
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Wertung: 4/5 Grimoires; 8/10 Punkte, Gut bis sehr gut

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Kurz & Knapp

  • Fortsetzung im bekannten Stil
  • Hohes Tempo
  • Viele Mythologien - wenig Tiefe

Malleus Bourreau ist zurück - zurück in Lipsk (Leipzig) und dort vor der ausgebrannten Ruine stehend, die einst das Geschäft seines Schneiders war. Viel wichtiger aber noch: Miles Karak war auch die Quelle seiner Culebras, jener Schlangenzigarren, die ihm beim Denken helfen und deren Vorrat zur Neige geht. Typisch, dass ihn sogleich ein neuer Fall nach Éire zieht: Eine Gottesstatue hat einen Menschen erschlagen - Zufall oder hat die betreffende Entität mitgewirkt? Während der Ermittlungen spürt Malleus zunehmend den Culebra-Entzug. Doch auf dieses Problem kann er sich nicht konzentrieren, denn neben einem Fall in Australien soll der Gott der Christen, Muslime und Juden zurückkehren und sich durch mehrere Wunder ankündigen. Unwahrscheinlich, dass dies harmlos abläuft! Tatsächlich findet sich Malleus mit seiner Ermittlungspartnerin Rianne bald tief in den Konflikten der Entitäten wieder. Ein Konflikt der sich zur Wintersonnenwende zuspitzt.

Da Buch erhält 8+ von 10 Punkten.

Von Markus Heitz' letzter Fortsetzung (der Zwergen-Reihe) war ich nicht sonderlich angetan. Befürchtungen, die ich für Malleus hegte, waren jedoch unbegründet: Aera 2 - Die schwärzeste Nacht ist so ziemlich genau das, was ich erwartete und erhoffte: Viele Götter, hohes Tempo, ein Schuss Mystery und manches Rätsel. Dazu gibt es einige Antworten und Auflösungen. Wenn ich eines bekritteln will, dann dass manche Auflösung zu einfach wirkte.

Passende Fortsetzung

Denke ich an Bourreaus erstes Abenteuer zurück und vergleiche, so kommt Die schwärzeste Nacht positiv aus diesem Vergleich. Die größte Änderung ist das Format: Statt in Episoden erscheint Aera 2 direkt als ein durchgängiger Roman. Überbleibsel dieses einstiegen Formats mag man noch erahnen: auch dieser zweiter Roman hat starke über große Distanzen, wie sie für Episodenromane typisch sind. Trotzdem: Mir gefiel es besser, die gesamte Geschichte vor mir zu haben und nicht immer wieder zu warten.

Auch inhaltlich gibt es viel, das man kennt. Einige Figuren und Schauplätze trifft man erneut. Im Kern ermittelt natürlich Malleus in Verbrechen mit göttlichem Zusammenhang. Und neuerdings ist (Ma)Rianne offiziell dabei, die man aus dem ersten Teil kennt. Deren romantische Ambitionen haben sich nicht gelegt, wenngleich Malleus eher der inzwischen als Mörderin gesuchten Oona Milord hinterherschwelgt.

Sofern dafür Zeit ist, denn die beiden sind schnell dabei, durch die Welt zu reisen um verschiedenen Spuren nachzugehen, die unter anderem auf etwas wirklich Großes hindeuten. Wir erinnern uns: Die Götter (oder was sich dafür ausgibt) sind zurück, aber nicht der Gott der Christen, Muslime und Juden! Doch genau der soll nun zurückkehren.

Zum Einstieg ist Aera 2 übrigens nur bedingt geeignet. Es könnte möglich sein - aber es fehlt doch einiges an Vorwissen, das auch nicht nachgeschoben wird. Musste es für mich auch nach mehreren Jahren nicht, ich erinnerte mich schnell, insbesondere natürlich an die markanten Schlangenzigarren.

Highlight: der vormalige Glyphenmörder

Eine dieser Erinnerungen ist für mich neben dem generellen Setting das Highlight. Kennt man ihn nicht, wird man seinen unvergleichlichen Stil wohl kaum schätzen: Der Glyphenmörder ist zurück! Wie würde er es ausdrücken? Vielleicht so:

Das habt ihr nicht erwartet, oder: Ich bin zurück. Ja klar, Banlieue-Girl hat mich erschossen. Aber hier bin ich: In göttlicher Mission! Naja, nicht ganz freiwillig. Und die Kasperköppe von Göttern kriegen auch noch, was sie verdienen. Aber erst: wieder IHM folgen. Denn wenn ihn einer umbringt, bin immer noch ich das. Waffen? Check! ...

So hat Malleus erneut einen ihm unbekannten Schutzengel, der Gewalt als einfachstes Mittel zum Zweck sieht. Mit seinem Stil allein lockert er das düstere Setting auf, indem er allem noch einen Schuss mehr hinzufügt. Meist ganz wörtlich mitsamt Mündungsfeuer. Außerdem wäre da noch das kleine amüsante Extra, mit dem Loki und Susanoo ihn ausgestattet haben ...

Mit Tempo durch die Weltmythologie

Was bietet das Buch sonst? Ein hohes Tempo: Denn auch wenn dies als ein einziger Gesamtroman erscheint, so sind die Kapitel und Perspektivwechsel zwischen Rianne, Malleus, Glyphenmörder und gelegentlich anderen leicht zahlreich. Sprünge sind sowohl zeitlich als auch örtlich groß: Von Irland nach Ostdeutschland, Australien, Jerusalem, Paris und mehr. Inhaltlich geht es damit immer vorwärts. Wo theoretisch ein wenig Ruhe und "Leerlauf" käme, hält ein Perspektivwechsel das Tempo hoch.

In einer Welt der Götter bedeutet eine Reise quer durch die Welt auch eine Reise durch die Weltmythologie. Wenn man nicht gerade weltweite Götterkunde als Hobby hat, dürfte die ein oder andere Entität dem Leser unbekannt sein. In die Tiefe der verschiedenen Mythologie geht es allerdings kaum. Die Götter sind eher Flair, integraler Bestandteil von Malleus' Welt. Für Kenner ist ihre Darstellung dann ein Bonus Bonus.

Irritierend fand ich dabei häufig, wie zuvorkommend Malleus von Menschen wie Göttern behandelt wird. Wobei dies später aufgelöst wird, in eine Richtung in die ich selbst schon spekulierte. Um dies nicht wie Selbstweihräucherung klingen zu lassen: Bei anderen Dingen lag ich absolut daneben. Hier dachte ich oft komplizierter als es dann tatsächlich war. Manchmal sollte man Occam's Razor beachten.

Aber tatsächlich fehlte mir an genau dieser Stelle etwas. Wobei dieser Makel klein ist: Komplexere Verstrickungen hätten genau diesen Vorwurf gebracht und tiefer in einzelne Mythologie einzutauchen hätte das Tempo beträchtlich reduziert. Und am Ende habe ich diesen zweiten Bourreau mit Freude und ruck-zuck weggelesen.

Auflösungen

Noch einmal zum Stichwort Auflösungen: Gerade am Ende wird einiges erklärt oder aufgelöst. Einiges; nicht alles. Das kann einfach sein wie eine Gottheit mit einem letztlich doch sehr geradlinigen Plan ohne weitere Wirrungen. Es kann sich angedeutet haben. Oder es kann etwas ganz Neues sein. Es gibt versöhnliche Abschlüsse (wobei dies durchaus vom Blickwinkel abhängt). Manche Dinge wandeln sich in etwas anderes. Und einiges bleibt in letzter Konsequenz trotz allem offen für die persönliche Interpretation.

In Summe passt das und vermeidet ein ungutes Cliffhanger-Gefühl. Das ist wichtig, da Markus Heitz in seinem Nachwort mit AERA abschließt. Vorerst.

Ich finde den Abschluss an dieser Stelle passend und könnte nicht sagen, wohin weitere Geschichten Malleus und Rianne bringen sollten. Am Ende ist dann doch einiges passiert und anders als noch zu Beginn dieses Romans. Mindestens der Ton würde sich ändern und eine weitere Geschichte wäre anders. Das will ich nicht, denn das wäre eine ganz andere Welt - eine Welt mit mehr als einem Hauch Science-Fiction. Und die mag ich in meinen Fantasy-Büchern eher selten. In diesem Roman bleibet sie auf einem Maß, das mich noch nicht stört. Bei einer Fortsetzung würden die SF-Elemente vermutlich zunehmen - und Aliens sind einfach ein anderer Grundton als irdische Götter.

Markus Heitz selbst schreibt: "Was habe ich dieses Szenario geliebt, als ich die ersten Entwürfe vor vielen Jahren zu Papier gebracht habe!" (S. 395, Nachwort). Und auch ich habe diese Welt voll zurückgekehrter Gottheiten geliebt. Pardon, "Gottheiten" sollte ich wohl in Anführungszeichen setzen, das nimmt unser werter atheistischer Ermittler mir sonst übel.

Mit diesen letzten Bemerkungen sage ich: Ich wünsche mir keine Fortsetzung, so sehr ich Malleus auch mag und die Lektüre genoss. Stattdessen behalte empfehle ich Aera² - Die schwärzeste Nacht allen bisherigen Malleus-Fans als runden Abschluss.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

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